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Devisen und Anleihen:Südeuropäische Bonds gefragt

Die Konjunkturaussichten in Europa trüben sich ein. Die Anleger spekulieren daher zunehmend auf EZB-Hilfen. Davon profitieren Staatsanleihen aus Italien und Griechenland.

Der Euro hat am Dienstag deutlich nachgegeben. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,1748 Dollar. Am Vortag hatte sie noch über 1,18 Dollar notiert. Der Euro leidet an der Verunsicherung an den Finanzmärkten. Der Markt wartet immer noch auf Fortschritte in den Verhandlungen um ein neues Corona-Konjunkturprogramm in den USA. Die Hoffnungen sind zuletzt gesunken. In der Eurozone sorgt gleichzeitig die hohe Zahl an Neuinfektionen mit dem Corona-Virus für Nervosität. Die hohe Zahl an Neuinfektionen hat auch die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für Deutschland im Oktober belastet. Die Stimmung der befragten Finanzmarktexperten trübte sich deutlich stärker als erwartet ein.

Parallel dazu kletterte die Arbeitslosigkeit in Großbritannien auf ein Drei-Jahres-Hoch. Da die staatlichen Kurzarbeitsregelungen ausliefen und neue Pandemie-Restriktionen verhängt würden, müsse in den kommenden Monaten mit einem weiteren deutlichen Anstieg gerechnet werden, prognostizierte Volkswirt Nye Cominetti von der Denkfabrik Resolution Foundation. Vor diesem Hintergrund verbilligte sich das Pfund Sterling auf 1,2941 Dollar und 1,1012 Euro. Einen Lichtblick lieferten die kräftig gestiegenen chinesischen Außenhandelszahlen. Sie sorgten für steigende Notierungen am Ölmarkt. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um knapp zwei Prozent auf 42,50 Dollar je Barrel (159 Liter).

Am Rentenmarkt griffen die Investoren bei südeuropäischen Staatsanleihen zu. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Titel aus Italien und Griechenland jeweils auf erneute Rekordtiefs von 0,656 und 0,771 Prozent. Angesichts der trüben Konjunkturaussichten wachse der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Wertpapierkäufe auszuweiten, sagte Christian Lips, Chef-Volkswirt der Nord LB.

© SZ vom 14.10.2020 / amon, Reuters, dpa
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