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Devisen und Anleihen:Euro fällt unter 1,10 Dollar

Spekulationen auf eine noch lockerere Geldpolitik in der Euro-Zone belasten die Gemeinschaftswährung. Eine weitere Herabstufung Argentiniens löst Verkäufe bei den Anleihen des Landes aus.

Der Euro hat am Freitag an die Kursverluste des Vortages angeknüpft und ist erstmals seit gut zwei Jahren unter die Marke von 1,10 Dollar gerutscht. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,0964 Dollar nach 1,1055 Dollar am Vorabend. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern reagierte der Euro auf Aussagen zur Geldpolitik in der Eurozone. Die designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde hat in einer Stellungnahme an das Europäische Parlament Hinweise auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik formuliert. Demnach hat die EZB nach Ansicht Lagardes die Zinsuntergrenze noch nicht erreicht. Die Aussicht auf sinkende Zinsen belastet in der Regel eine Währung.

Hinzu kam, dass die Inflation in der Euro-Zone deutlich unter der Zielmarke der EZB von zwei Prozent verharrt. Damit dürfte der Handlungsdruck für die Euro-Wächter um ihren scheidenden Notenbankchef Mario Draghi zunehmen. Die Verbraucherpreise zogen im August lediglich um 1,0 Prozent an, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Bereits im Juli hatte die Inflationsrate bei 1,0 Prozent gelegen, was das niedrigste Niveau seit November 2016 ist. Die meisten Volkswirte rechnen inzwischen damit, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 12. September in Frankfurt ihre Geldpolitik weiter lockern wird, um die Wirtschaft zu stützen.

Die Herabstufung Argentiniens durch die Ratingagentur Standard & Poor's auf CCC- löste automatische Verkäufe bei deutschen Pensionsfonds aus. Nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz sind die Papiere mit diesem Rating, das tief im Schrottbereich liegt, zu riskant. Die Rendite der Anleihen mit Laufzeit bis 2033 schnellte um fast 2,5 Prozentpunkte auf 24,14 Prozent nach oben. Bereits am Donnerstag hatte die argentinische Regierung mit Plänen einer Umstrukturierung der Anleihen die Anleger verschreckt. Die Dollar-Bonds markierten am Donnerstag Rekord-Tiefstände.

© SZ vom 31.08.2019 / SZ, Reuters, dpa
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