Spekulationen auf sinkende Zinsen in den USA haben den Euro am Donnerstag kräftig nach oben getrieben. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich in der Spitze um mehr als ein Prozent und kletterte kurzzeitig über die Marke von 1,10 Dollar. Börsianer befürchteten eine Konjunkturabkühlung wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Das lasse Spekulationen auf eine Leitzinssenkung in den USA aufkommen, sagte Thu Lan Nguyen, Devisenexpertin bei der Commerzbank. Eine Zinssenkung in den USA macht den Dollar für Anleger weniger interessant und belastet ihn. Entsprechend treibt dies andere Währungen und auch den Euro nach oben.
Pfund-Anleger verabschiedeten sich mehr und mehr von der Hoffnung auf staatliche Konjunkturhilfen. Die britische Devise verlor gut ein Prozent auf 1,1732 Euro. Nach einem Bericht der Financial Times haben Beamte des britischen Finanzministeriums ihrem neuen Chef Rishi Sunak klargemacht, dass es keine Möglichkeit gäbe, die öffentlichen Ausgaben so schnell wie von Premierminister Boris Johnson gewünscht hochzufahren. Aus diesem Grund könne es sein, dass Finanzminister Sunak geplante fiskalpolitische Lockerungen auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt.
Wegen der Corona-Krise waren sichere Anlagen wie Anleihen gefragt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf minus 0,522 Prozent. Auf einem Rekordtief bei 1,241 Prozent rentierten zehnjährige US-Papiere. Deren Rendite lag damit erstmals in ihrer Geschichte unter 1,3 Prozent. "Es ist eine Flucht in Qualität", sagte Stuart Oakley, Devisenexperte bei der Investmentbank Nomura. "Die Nachrichten lösen eine Hysterie aus, deswegen ziehen sich die Leute aus dem Risiko zurück und flüchten in sichere Häfen. Der größte sind zehnjährige US-Papiere." Die Ölpreise sackten wegen der Befürchtungen vor einer sinkenden Nachfrage ab. Ein Fass der Sorte Brent verbilligte sich um vier Prozent auf 51,30 Dollar.