Nach Zuwächsen im ersten Quartal rechnet die deutsche Tourismusbranche mit einem Rekordjahr – trotz der Belastungen durch die hohen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs. „Die steigenden
Übernachtungszahlen sind sehr erfreulich und bestätigen unsere Annahme, dass 2026 ein Rekordjahr für den Deutschlandtourismus werden kann“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes DTV, Norbert Kunz, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Hotels, Pensionen, Campingplätze und andere Beherbergungsbetriebe verbuchten von Januar bis März 86,7 Millionen Übernachtungen. Das waren 2,5 Prozent
mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der bisherige Rekordwert von 88,7 Millionen Übernachtungen für diesen Zeitraum aus dem Jahr 2024 wurde jedoch um 2,3 Prozent verfehlt.
„Konkrete Aussagen, wie sich die Iran-Krise und hohe Spritpreise auf den Tourismus in Deutschland auswirken werden, können wir
zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen“, sagte Kunz. „Es ist durchaus vorstellbar, dass Deutschland als sicheres und nahe gelegenes Reiseziel profitiert.“ Steigende Preise würden das Urlaubsbudget beeinflussen, fügte der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) hinzu. „Aber wie wir aus jahrelangen Analysen wissen, nicht die Urlaubsabsicht selbst.“ Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland stieg im ersten Quartal um 2,9 Prozent auf rund 72 Millionen. Bei den Gästen aus dem Ausland legte sie um 0,8 Prozent auf 14,6 Millionen zu.
Dem DTV zufolge ist das Auto mit 73 Prozent das beliebteste Verkehrsmittel der Deutschen beim Reisen. Wegen der seit Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar stark gestiegenen Spritpreise hat die Bundesregierung zum 1. Mai einen Tankrabatt eingeführt. Dieser ist Studien zufolge aber noch nicht vollständig an den Zapfsäulen angekommen. Bei Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich lediglich vier Cent weitergegeben, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Beim Superbenzin waren es demnach durchschnittlich zwölf von 17 Cent. Trotz der Kritik vieler Ökonomen schließt Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine Verlängerung
des Tankrabatts nicht grundsätzlich aus.

