Deutschlands reichster Mann Unter uns

"Während seine Mutter das Gesicht des Unternehmens ist, arbeitet er innen hart", sagt ein Aufsichtsrat. Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler (Archivbild aus dem Jahr 2007)

(Foto: dpa)

Ist Deutschlands reichster Mann wirklich ein Muttersöhnchen? Ein Annäherungsversuch an Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler.

Von Uwe Ritzer

Kaum hatte das US-Wirtschaftsmagazin Forbes ihn als den reichsten Deutschen gelistet, da setzten medial schon die üblichen, hämischen Reflexe ein. Georg Schaeffler, 50, der Mann mit den 24 Milliarden Euro auf der Haben-Seite, sei doch nur ein Bubi, profillos, eine verlorene Gestalt im übermächtigen Schatten seiner Mutter Maria-Elisabeth, 73. So oder so ähnlich ist über den "Mutti-Milliardär" (Bild) zu lesen, der im weltweiten Milliardärs-Ranking auf Platz 21 steht.

Ob Georg Schaeffler sein Muttersöhnchen-Image nervt, ist nicht bekannt. Zum einen, weil er derzeit in den USA ist, wo der zweimal geschiedene Vater von vier Kindern sehr zurückgezogen lebt. Zum anderen, weil er öffentliche Auftritte generell meidet und so gut wie nie Interviews gibt.

Das mag ein Grund dafür sein, weshalb sich das öffentliche Bild von Georg Schaeffler als beflissenem Aktenträger seiner glamourösen Mutter gewaltig von dem unterscheidet, was innerhalb des Automobil- und Industriezulieferers vorherrscht. Menschen, die mit ihm dort aus unterschiedlichen Rollen heraus zu tun haben, beschreiben Georg Schaeffler ganz anders: Als ebenso fleißig wie kompetent, als bodenständig und selbstbewusst, als unprätentiös im Auftreten, in der Sache aber tief verwurzelt in den Entscheidungsprozessen des Familienunternehmens, das ihm zu 80 und seiner Mutter zu 20 Prozent gehört.

"Er hat in den letzten Jahren enorm an Statur gewonnen", sagt ein Schaeffler-Aufsichtsrat und schiebt nach: "Während seine Mutter das Gesicht des Unternehmens ist, arbeitet er innen hart." Seit die Firma 2011 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, fungiert Georg Schaeffler als Aufsichtsratsvorsitzender. Als solcher sei er "ständig präsent und ansprechbar", heißt es. Wenn er nicht in der Herzogenauracher Zentrale sei, dann funktioniere die Kommunikation eben elektronisch. Vor allem das Zusammenspiel mit Vorstandschef Klaus Rosenfeld sei eng und klappe hervorragend, sagen Insider.

Ansonsten lebt Georg Schaeffler gut damit, dass ihn in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand kennt. Er tritt unscheinbar auf, ein vermeintlicher Durchschnittstyp. Aus seiner Kindheit ist lediglich überliefert, dass sein jüngerer Bruder am Weihnachtstag 1975 bei einem tragischen Unfall durch einen Stromschlag starb. Nach dem Abitur 1984 in Herzogenaurach verpflichtete sich Georg Schaeffler als Zeitsoldat für zwei Jahre bei der Bundeswehr und studierte danach in St. Gallen Betriebswirtschaft.

Nach einigen Jahren Arbeit im elterlichen Unternehmen sattelte er in den USA ein Jurastudium drauf. Als Vater Georg 1996 starb, wurde der Sohn Miteigentümer der Firma. Ums Geschäft aber kümmerte sich in Gestalt von Jürgen Geißinger ein ehrgeiziger Manager im Zusammenspiel mit Maria-Elisabeth Schaeffler.

Dann kaperte Schaeffler 2008/2009 ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise die dreimal so große Continental AG. Die Übernahme ruinierte Firma und Familie um ein Haar. Fortan übernahm Georg Schaeffler, der zwischenzeitlich in einer Wirtschaftskanzlei im texanischen Dallas arbeitete, zunehmend Verantwortung. Den Anwaltsjob hat er inzwischen aufgegeben. Etwa alle zwei Wochen schwebe er aus den USA für einige Tage in Herzogenaurach ein, heißt es. Dann werde konzentriert gearbeitet. Dass er dort meist im Elternhaus übernachtet, wird gerne als vermeintlicher Beleg für das Muttersöhnchen-Klischee verwendet.

Tatsächlich hat sich Georg Schaeffler frei gestrampelt. Die meisten seiner 24 Milliarden Euro Vermögen stecken als Anteile in den Firmen Conti und Schaeffler. Die bringen es zusammen auf knapp 50 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen etwa 260 000 Menschen.