Seit gut einem Monat herrscht bereits Krieg in Iran und der gesamten Region, ein Ende ist bislang nicht absehbar. Die Unsicherheit steigt vielmehr, weil die Straße von Hormus, die für den weltweiten Öltransport so wichtige Meerenge, immer noch weitgehend blockiert ist. Vor allem deshalb steigen die Energiepreise. Das hat massive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die Hoffnung auf eine deutliche wirtschaftliche Erholung hierzulande schwindet.
Jetzt werden auch die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute nach SZ-Informationen ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr in etwa halbieren. Wie auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wird für 2026 mit einem Wachstum von rund 0,6 Prozent gerechnet. An diesem Mittwoch werden die Wirtschaftsforschungsinstitute in Berlin ihre traditionelle Frühjahrsprognose bekannt geben. Im vergangenen Herbst waren sie noch optimistischer von einem Plus von 1,3 Prozent für 2026 ausgegangen.
Die Gründe, warum die Ökonomen ihre Vorhersagen deutlich reduzieren müssen, sind vor allem der Iran-Krieg, die hohen Energiekosten und die in der Folge möglicherweise wieder anziehende Inflation. Die Ökonomen rechnen offenbar mit einer insgesamt deutlich höheren Teuerung sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr. Bereits im März war die Inflation laut Statistischem Bundesamt auf durchschnittlich 2,7 Prozent gesprungen, im Februar lag die Rate noch bei 1,9 Prozent. Grund sind vor allem die gestiegenen Preise für Sprit und Heizöl.
Auch in Europa steigt die Inflation bereits. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Euro-Raum im März um durchschnittlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat an diesem Dienstag mitteilte. Im Februar lag der Wert noch bei 1,9 Prozent. Manche Experten befürchten, dass nun die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen wieder anheben könnte, um die Teuerung zu bekämpfen. Das nächste Mal berät die EZB Ende April. Höhere Zinsen sind wiederum schlecht für die Konjunktur.
Die Erholung am Arbeitsmarkt bleibt aus
Kein Wunder, dass die Stimmung in der Wirtschaft insgesamt schlecht ist. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts sehen in Deutschland aktuell neun von zehn Industrieunternehmen ihre Geschäfte durch den Iran-Krieg beeinträchtigt. „Der Konflikt trifft die Industrie unmittelbar, sorgt aber vor allem für große Unsicherheit“, teilte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, mit: „Viele Firmen stellen sich auf zusätzliche Belastungen in den kommenden Monaten ein.“ Für besonders große Bedenken sorgen dabei die gestiegenen Energiepreise. Weitere Einschränkungen werden auch bei Schifffahrtswegen und bei Lieferketten befürchtet. Je länger die Unsicherheit anhalte, desto größer würden die wirtschaftlichen Probleme. Viele Firmen weisen auf finanzielle Risiken hin.

Auch am deutschen Arbeitsmarkt ist die Unsicherheit bereits zu spüren. Nach den neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Arbeitslosen im März 2026 gegenüber dem Vorjahr um 49 000 auf gut drei Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote liegt damit um 0,1 Prozentpunkte niedriger bei 6,4 Prozent. „Im März beginnt wie üblich die Frühjahrsbelebung, dieses Jahr allerdings ohne nennenswerten Schwung“, sagte Andrea Nahles, die Chefin der Bundesagentur für Arbeit. Nach Herausrechnen der jahreszeitlichen Schwankungen bleibe die Arbeitslosigkeit unverändert. Es gebe keine konjunkturellen Impulse, die potenziellen Folgen des Iran-Kriegs seien aber noch nicht zu spüren.
Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz versucht schon seit Monaten, die deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln. Sie hatte zum Antritt im vergangenen Jahr einen baldigen Aufschwung versprochen. Der steht nun infrage. Die Wirtschaft in Deutschland ist schon länger in der Krise und wächst so gut wie nicht mehr. 2025 gab es ein Mini-Plus von 0,2 Prozent, die beiden Jahre davor sogar ein Minus. Belastungen gibt es viele, vor allem der Krieg in der Ukraine und die hohen Zölle der USA durch Präsident Donald Trump. Die traditionell auf den Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft leidet besonders unter den geopolitischen Verwerfungen.
Die sogenannte Frühjahrsprognose dient der Bundesregierung als Basis für ihre neuen Planungen. Diese sind wiederum auch die Grundlage für die Steuerschätzung. Die führenden Institute – also das Essener RWI, das Ifo-Institut in München, das Institut für Weltwirtschaft Kiel, das IWH in Halle und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin – präsentieren zweimal im Jahr eine Prognose, jeweils im Herbst und im Frühjahr. Angesichts der Turbulenzen der Weltwirtschaft sind die Ergebnisse diesmal besonders brisant.


