Der sogenannte Love Scam – dabei handelt es sich um Betrug mit vorgetäuschter Liebe – zählt zu den perfidesten Formen der Online-Kriminalität. Über gefälschte Profile auf Dating-Plattformen und in sozialen Netzwerken täuschen internationale Tätergruppen Zuneigung vor, um ihre Opfer emotional zu binden und anschließend finanziell auszunehmen. Typisch sind überschwängliche Liebesbekundungen, ständig neue Ausreden für ausgefallene persönliche Treffen und erfundene Notlagen, in denen die Täter vom Opfer Geld verlangen.
Besonders stark betroffen ist laut einer aktuellen Studie Deutschland: Der gemeldete Schaden belief sich hierzulande im Jahr 2025 auf umgerechnet 380 Millionen Euro. Das entspricht etwa 86 Prozent aller in der EU erfassten Verluste durch „Love Scamming“, heißt es im „Global Financial Crime Report“ des amerikanischen Beratungsunternehmens Nasdaq Verafin.„Deutschland hat sich zum Hotspot in der EU für Identitäts‑ und Vertrauensbetrug entwickelt“, sagt Nasdaq-Verafin-Experte Kamlesh Harry. „Da Bankensysteme zunehmend besser geschützt sind, verlagern Kriminelle ihren Fokus – sie bringen Verbraucher dazu, Geld freiwillig zu überweisen“, so Harry.
Internationale Banden nutzen künstliche Intelligenz
Fortschritte in der künstlichen Intelligenz würden es mittlerweile Tätern aus dem Ausland erlauben, Sprachbarrieren zu überwinden und hochgradig personalisierte Betrugsmaschen zu entwickeln. „Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig abgestimmte Maßnahmen zwischen Finanzindustrie, Aufsichtsbehörden, Regierung und Strafverfolgung sind, um Verbraucher wirksam zu schützen“, sagt Harry. Betrugsoperationen seien heute zunehmend automatisiert, leicht skalierbar und oft täuschend echt.
Insgesamt verzeichneten Banken, Unternehmen und Privatpersonen im Jahr 2025 weltweit Betrugsschäden in Höhe von umgerechnet 505 Milliarden Euro, so die Studie, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,2 Prozent seit 2023 entspreche. Kriminelle Netzwerke würden inzwischen wie multinationale Konzerne agieren.
„Operation Herakles“
Entsprechend schwer haben es die Ermittler. Zuletzt gab es mit der „Operation Herakles“ einen ersten Erfolg. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und die Finanzaufsicht Bafin haben im Dezember mehr als 1400 gefälschte Online-Handelsplattformen abgeschaltet, auf denen Anleger mit falschen Versprechen zu Einzahlungen verleitet wurden. Hinter den betrügerischen Portalen standen international vernetzte Tätergruppen, die mithilfe von KI-generierten Websites und automatisierten Callcentern agierten.
Es ist naturgemäß schwierig, die finanziellen Schäden der Finanzkriminalität exakt zu beziffern, auch weil viele Opfer den Betrug nicht zur Anzeige bringen. Diese Unschärfe bei der Datenerhebung gilt auch für illegale Finanzströme insgesamt. Die Studie schätzt die weltweiten kriminellen Finanztransaktionen via Geldwäsche, Drogenhandel, Terrorismusfinanzierung und Korruption auf einen neuen Höchststand von umgerechnet 3,8 Billionen Euro, mit Verweis auf öffentliche und private Daten sowie Befragungen von rund 500 Anti-Geldwäsche-Experten. Gegenüber 2023 entspreche dies umgerechnet einem Anstieg von 1,1 Billionen Euro. In der EU belaufe sich das schmutzige Geld auf rund 580 Milliarden Euro, in Deutschland auf etwa 100 Milliarden Euro. Letzterer Betrag entspricht den staatlichen Militärausgaben in diesem Jahr.



