DIW-StudieWeit weniger Industriejobs verloren gegangen als gedacht

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Autoproduktion bei VW: Bei dem Konzern sollen viele Arbeitsplätze abgebaut werden.
Autoproduktion bei VW: Bei dem Konzern sollen viele Arbeitsplätze abgebaut werden. Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das DIW in Berlin hat die Arbeitsplätze in der Industrie zwischen 1975 und 2019 genau untersucht  - und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.

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Der Rückgang der Industriebeschäftigung in Deutschland fällt einer Studie zufolge deutlich geringer aus als angenommen. Zwischen 1975 und 2019 verschwanden zwar rund 1,5 Millionen produktionsnahe Jobs im verarbeitenden Gewerbe, wie aus einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Gleichzeitig entstanden jedoch auch mehr als eine Million vergleichbare Stellen bei Dienstleistern. Demnach wurden rund zwei Drittel der weggefallenen Industriearbeitsplätze durch ähnliche Tätigkeiten im Servicesektor ersetzt. Der Nettoverlust produktionsnaher Arbeitsplätze summiere sich daher auf etwa eine halbe Million binnen 45 Jahren.

Die Entwicklung dürfte sich in den vergangenen Jahren fortgesetzt haben, in denen sich die deutsche Industrie wachsender Konkurrenz aus China, hohen Energiekosten und steigenden US-Zöllen ausgesetzt sieht. „Allerdings hat sich der Strukturwandel gerade in den letzten Jahren insoweit verschärft, als dass Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe mit beschleunigter Dynamik abgebaut wird“, sagte DIW-Experte Thilo Kroeger. „Dementsprechend werden vermutlich weniger als die angegebenen zwei Drittel an Jobs aufgewogen werden.“ Dennoch werde es weiterhin Wechsler geben, die Einkommenseffekte damit ähnlich sein. Dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge ist die Zahl der Beschäftigten in der Industrie 2025 auf ein Zehnjahrestief von 6,6 Millionen gefallen.

Für viele Beschäftigte fallen die Einkommensverluste bei einem Arbeitsplatzwechsel gering aus, sofern sie ihre beruflichen Kompetenzen weiter anwenden können. „Der Dienstleistungssektor ist kein einheitliches Auffangbecken für gering bezahlte Tätigkeiten“, schreiben die Autoren Kroeger und Dominik Boddin (Bundesbank) in ihrer Studie. „Er umfasst auch wissensintensive und produktionsnahe Bereiche.“ Dazu zählen etwa IT, Qualitätskontrolle, Design, Analytik, Logistik, Wartung, technische Planung und andere ausgelagerte Funktionen industrieller Wertschöpfung.

Weiterbildung und Vermittlung sollten dies gezielt nutzen. Sie könnten Beschäftigten mit Produktionserfahrung dabei helfen, ihre Kompetenzen weiter einzusetzen, statt in fachfremde Tätigkeiten zu wechseln, in denen die Einkommensverluste deutlich größer sind. „Man sollte nicht versuchen, Branchen und Arbeitsplätze in Branchen zu erhalten“, sagte DIW-Experte Kroeger. Stattdessen sollten die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in verwandte Berufe mit vergleichbaren Aufgaben weitervermittelt werden - „unabhängig davon, welche Branchen das sind“.

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