Deutschland und Frankreich wollen mit einer gemeinsamen Initiative die Finanzierung für schnell wachsende junge Unternehmen in Europa verbessern und deren Abwanderung in die USA verhindern. „Wir wollen eine Umgebung schaffen, in der innovative europäische Unternehmen zu globalen Marktführern heranwachsen können und sich nicht irgendwann in die USA oder nach China verabschieden“, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Montag in Berlin. „Dazu brauchen diese Unternehmen in Europa das notwendige Kapital.“ Nötig sei ein viel tieferer und mit den USA konkurrenzfähiger Kapitalmarkt.
Ein von beiden Regierungen in Auftrag gegebener Expertenbericht schlägt nach Angaben aus dem Finanzministerium weitreichende Reformen der Kapitalmärkte vor. Klingbeil und sein französischer Kollege Roland Lescure stellen die Vorschläge am Montag im Detail vor. Klingbeil kündigte an, er werde die Handlungsempfehlungen aus dem Bericht „mit Hochdruck in Europa voranbringen“.Das vom früheren Finanzminister Jörg Kukies und dem ehemaligen französischen Notenbankchef Christian Noyer verfasste Papier identifiziert eine Finanzierungslücke als zentrales Hindernis für sogenannte Scale-ups. Dies sind junge Unternehmen, die nach der Gründung schnell wachsen wollen. Die begrenzte Verfügbarkeit von Wagniskapital, insbesondere von institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Pensionsfonds, zwinge vielversprechende Firmen häufig ins Ausland.
Um die Lücke zu schließen, schlagen die Experten fünf zentrale Maßnahmen vor. Dazu zählen eine Reform der privaten und betrieblichen Altersvorsorge, um mehr Kapital für Innovationen zu mobilisieren, sowie ein leichterer Zugang für private Investoren. Bestehende Förderinitiativen sollen EU-weit ausgebaut und der bürokratische Aufwand durch eine einheitliche EU-Unternehmensrechtsform gesenkt werden. Zudem sollen vereinfachte Regeln Börsengänge attraktiver machen.
