Die Deutschen liebten Bargeld einst so wie sonst nur Bratwurst, Bier und Fußball-WM. Doch seit etwa 20 Jahren nimmt diese Liebe kontinuierlich ab und erreicht nun einen neuen Tiefpunkt. Das zeigt eine aktuelle Studie des EHI Retail Institutes aus Köln, das jedes Jahr ermittelt, welche Zahlarten bei den Deutschen besonders beliebt sind.
Noch gehört das Bargeld dazu. Doch angesichts der Zahlen muss man sich fragen: Wie lange noch? Denn laut EHI machten Zahlungen mit Euro-Scheinen und -Münzen im vergangenen Jahr nur noch gut 32 Prozent aller stationären Umsätze aus. 1994 lag der Anteil noch bei fast 80 Prozent. Seither nimmt die Nutzung von Bargeld stetig ab. Statt ins Kleingeldfach greifen die Deutschen an der Supermarktkasse bei Lidl oder beim Shopping von Klamotten und Büchern immer häufiger zu „der Karte“, wobei es da durchaus Unterschiede gibt.
Die Girocard dominiert an der Ladenkasse
Besonders beliebt ist in Deutschland die Girocard, die viele noch als EC-Karte kennen. Sie kommt bei knapp 41 Prozent aller Umsätze im stationären Handel zum Einsatz und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei den Deutschen. Erst mit weitem Abstand folgen Kredit- und Debitkarten, auf denen die Logos von Visa oder Mastercard stehen. Letztere sind gerade bei Direktbanken heute die typischen Karten, die zu einem neuen Konto ausgegeben werden. Ihr Anteil wächst seit der Corona-Pandemie stark und das könnte auf Kosten der Girocard gehen. Das EHI rechnet damit, dass der Anteil am stationären Handelsumsatz auf knapp 18 Prozent im Jahr 2030 steigen wird.
Der Trend wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass immer mehr Menschen ihr Smartphone zum Bezahlen nutzen. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass fast jede fünfte nicht bare Zahlung an der Ladenkasse mit dem Smartphone getätigt wurde. Im Jahr zuvor war es nur jede achte.
Paypal dominiert im Online-Handel – noch immer
Die Studie des EHI vermisst auch den Online-Handel und schaut, wie die Menschen im Internet beispielsweise ihre Jeans, Abonnements und Urlaubsreisen bezahlen. Seit vielen Jahren ist in Deutschland der US-Konzern Paypal die wichtigste Zahlungsmethode. Das hat sich auch im vergangenen Jahr nicht geändert, der Umsatzanteil im Online-Handel lag bei knapp 29 Prozent. Auf dem zweiten Platz folgt mit gut 26 Prozent der Rechnungskauf, mit mehr als 14 Prozent die Lastschrift und erst danach Kredit- oder Debitkarten.
Für die Händler sind das tendenziell schlechte Nachrichten. Denn Paypal ist für sie ein vergleichsweise teurer Anbieter. Den EHI-Erhebungen zufolge bezahlen Händler je Paypal-Transaktion im Schnitt 1,94 Prozent des Umsatzes, in der Spitze sind es sogar vier Prozent. Wenn man also eine Hose für 100 Euro kauft, erhält Paypal teilweise vier Euro davon. Diese Kosten tragen die Händler allein und können sie nicht einfach auf die Kunden abwälzen. Sie fänden es daher vermutlich besser, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher zu günstigeren Angeboten wie der Zahlung per Lastschrift oder dem Kauf auf Rechnung greifen würden.
Auch die europäische Bezahlalternative Wero könnte eine günstigere Option sein. Immerhin ist Chefin Martina Weimert mit Kampfpreisen in den Markt gestartet. Die Verbreitung des Dienstes, hinter dem diverse europäische Banken stehen, ist aber auch im Mai 2026 immer noch minimal. Zwar haben einige Partner wie Eventim den gelben Wero-Button in ihren Online-Shop übernommen. Viele andere große und kleine Händler fehlen aber noch, und das könnte womöglich auch noch eine Zeit so bleiben. Wero-Chefin Weimert musste im SZ-Interview zuletzt einräumen, dass sie die Verbindlichkeit des Handels überschätzt hatte. „Wir haben den Händlern und einigen Dienstleistern bezüglich ihrer Planung vertraut, das war teilweise ein Fehler“, sagte Weimert.
Dazu passt, dass laut den EHI-Zahlen mehr als 70 Prozent der E-Commerce-Händler eine abwartende Haltung gegenüber Wero eingenommen haben, nur elf Prozent planen eine Einführung noch in diesem Jahr. Das wiederum steht im Kontrast zu den Erwartungen, die die Händler offenbar an das neue Bezahlsystem haben. Denn fast ein Drittel glaubt, dass Wero sowohl online als auch stationär nennenswerte Marktanteile erreichen wird. Das sind fast doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor.

