bedeckt München 16°

Deutschland:Arbeitslosigkeit sinkt erstmals seit Corona

Arbeitsmarkt

Wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt, hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholt. Bislang sieht es aber für Deutschland besser aus als anfangs von Experten prognostiziert.

(Foto: Martin Gerten/dpa)

Der Arbeitsmarkt in Deutschland entwickelt sich besser als zu Beginn der Pandemie befürchtet. Im September waren 100 000 Menschen weniger ohne Job als im August.

Von Alexander Hagelüken

Die Wende ist geschafft: In Deutschland gibt es erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder weniger Menschen ohne Job. Im September sank die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 100 000 auf 2,85 Millionen. "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind nach wie vor deutlich sichtbar", sagt Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA). "Es zeigen sich aber leichte Zeichen der Besserung."

Am Arbeitsmarkt gibt es typische Aufs und Abs. In der Urlaubszeit ist Flaute, im Herbst stellen die Firmen dann eher wieder Mitarbeiter ein. Auch wenn man diesen Saisoneffekt abzieht, ging die Arbeitslosenzahl im September zurück. Das bestätigt den positiven Trend seit Juli.

Natürlich wirkt sich der wahrscheinlich größte Wirtschaftseinbruch der Nachkriegszeit trotzdem stark auf die deutschen Arbeitnehmer aus. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es etwa 600 000 Arbeitslose mehr. In anderen Industriestaaten ist die Lage jedoch weitaus schlimmer.

Die Kurzarbeit geht weiter zurück. Nach den neuesten Zahlen bekamen im Juli gut vier Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Das waren zwei Millionen weniger als im April.

Wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt, hängt davon ab, wie sich die deutsche Wirtschaft von der Corona-Pandemie erholt. Zuletzt sahen viele Ökonomen die Lage positiver. Noch im Frühjahr gingen manche davon aus, die Wirtschaftsleistung werde dieses Jahr um zehn Prozent schrumpfen. Nun erwarten die meisten nur ein Minus von sechs Prozent, das 2021 weitgehend aufgeholt werde.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagte am Mittwoch einen Einbruch für das laufende Jahr um 5,2 Prozent voraus - das wäre nicht mehr als in der Finanzkrise 2009. Im kommenden Jahr wachse die Volkswirtschaft dann wieder um 4,9 Prozent. "Die Erholung verläuft hierzulande etwas dynamischer als in anderen großen Euro-Ländern und den USA und etwas schneller als noch vor Kurzem erwartet", sagt IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Die Forscher sehen aber auch erhebliche Gefahren. Dazu gehört eine großflächige neue Infektionswelle ebenso wie ein aggressiver Kurs des nächsten US-Präsidenten. "Zu den Risiken zählt auch, ob die Export-Industrie und vor allem die Autobranche aus der Rezession herausfinden, die zum Teil schon vor der Pandemie begann."

Klappt es dagegen mit der Erholung der deutschen Wirtschaft, ist Dullien für den Arbeitsmarkt relativ optimistisch. Die Zahl der Arbeitslosen steige dann im Jahresdurchschnitt 2020 trotz der Pandemie nur um knapp eine halbe Million - weitaus weniger als in anderen Staaten.

Ähnlich sieht es das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Die Entlassungszahlen blieben angesichts des immensen wirtschaftlichen Schocks begrenzt. Der Arbeitsmarkt stürzte auch aufgrund der staatlichen Maßnahmen nicht ins Bodenlose", so Prognose-Leiter Enzo Weber. Kritisch sei, dass sich die Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhielten. Und dass sich wichtige Branchen wie die Autoindustrie und der Einzelhandel in einer schwierigen Transformation befänden. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Jobverluste durch die Pandemie schnell ausgeglichen würden. Im kommenden Jahr rechnet Weber nur mit einem Rückgang der Arbeitslosen um 100 000 - damit wäre nur ein Viertel der Jobverluste durch die Pandemie wettgemacht.

© SZ

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite