bedeckt München 23°
vgwortpixel

Deutsches Wirtschaftswachstum:Furcht vor dem Ende des Booms

Bis vor kurzem ging es Deutschland prächtig - 2011 legte die Konjunktur fast genauso deutlich zu wie im Jahr zuvor. Und doch: Ersten Schätzungen zufolge könnte die deutsche Wirtschaft schon im vierten Quartal leicht geschrumpft sein. Die Prognosen für das Jahr 2012 sind deswegen entsprechend düster.

Das hört sich erst einmal gut an: Unbeeindruckt von allen Krisen ist die deutsche Wirtschaft 2011 fast genauso stark gewachsen wie im Vorjahr, meldet das Statistische Bundesamt auf der Basis vorläufiger Zahlen. Ganze drei Prozent legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu.

Institute stellen Herbstgutachten vor

Das Wachstum 2011 war fast so stark wie im Vorjahr. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

Zu dem deutlichen Plus im Jahr 2011 trugen vor allem die Konsumausgaben bei. Der private Konsum stieg um 1,5 Prozent, die Staatsausgaben um 1,2 Prozent, bei den Investitionen in Betriebsausrüstung gab es ein Plus von 8,3 Prozent.

Im Jahr 2010 hatte die Wirtschaft um 3,7 Prozent zugelegt, das Krisenjahr 2009 hatte Deutschland zuvor allerdings mit einem Minus von 5,1 Prozent die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht.

Nicht nur deshalb wird die Freude über das Wachstum 2011 bei genauem Hinsehen gedämpft. Ende des Jahres schrumpfte die deutsche Wirtschaft bereits. Nach ersten vorläufigen Schätzungen der Behörde sank das BIP saison- und kalenderbereinigt in den letzten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal leicht, "schätzungsweise um 0,25 Prozent". Diese Schätzungen könnten laut Statistischem Bundesamt noch revidiert werden. Dennoch ist das Ergebnis überraschend: Ökonomen hatten für diesen Zeitraum eigentlich noch ein leichtes Plus von 0,4 Prozent erwartet.

Immerhin: Dank der guten Konjunktur konnte Deutschland im vergangenen Jahr seine Kassenlage verbessern. Bund und Länder hätten 2011 Schulden abgebaut, erklärte die Behörde. Das Staatsdefizit belief sich demnach auf ein Prozent des BIP. Damit wird erstmals seit drei Jahren wieder die Obergrenze des EU-Stabilitätspaktes eingehalten. Die europäischen Regeln erlauben höchstens drei Prozent Defizit. In den Jahren 2009 (3,2 Prozent) und 2010 (4,3 Prozent) hatte Deutschland dagegen verstoßen.

Insgesamt verzeichnete Deutschland im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von 26,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr belief sich der Finanzierungssaldo von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung auf minus 105,86 Milliarden Euro.

Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Exportnation Deutschland angesichts des weltweiten Konjunkturabschwungs und der anhaltenden Schuldenkrise im Euro-Raum auf weitere Dämpfer einstellen muss. Für das laufende Jahr wird im Schnitt mit allenfalls 0,5 Prozent Wachstum gerechnet.

  • Themen in diesem Artikel: