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Deutscher Mittelstand:"Es verkauft sich beschissen, aber wir lassen es drin"

Wie viele Ikea-Kunden, glauben Sie, landen irgendwann bei Ihnen?

Die wenigsten. Aber ein paar fangen irgendwann doch an, sich Gedanken darüber zu machen, wo das Möbel hergestellt wurde und zu welchen Bedingungen und wie man es entsorgen kann

Was schätzen Sie, wie viele Menschen von 100 denken darüber nach, ob ihr Möbel nachhaltig ist?

Vielleicht einer.

Das reicht Ihnen?

Wir sind Nische. Und die Tendenz ist doch eindeutig. Viele fangen an nachzudenken, weil viele der angebotenen Lösungen keine Seele haben. Wenn sie sich einen Tisch kaufen, an dem sie richtig Spaß haben, über den sie viele Fragen gestellt haben, den sie sich am Ende geleistet haben, dann ist der ganz nah bei ihnen. Der bleibt für sie immer etwas Besonderes, der wird nicht einfach durchgenudelt und wandert dann auf den Sperrmüll. Die Zahl der Menschen, denen es nicht egal ist, warum, wieso, woher, wo es nicht nur um den Preis geht, wächst. Die Gesellschaft driftet allerdings auseinander. Die Mehrheit wird weiter günstig konsumieren wollen. Aber das ist eine entseelte und traurige Welt.

Die Gesellschaft driftet aber auch deshalb auseinander, weil sich viele Menschen nur preiswerte Möbel leisten können und gar nicht bei Ihnen einkaufen könnten.

Es gibt soziale Verwerfungen und deshalb ist es fantastisch, dass es auch günstige Möbel gibt.

Kennen Sie die Preisrelation zwischen einem Regalmeter Ivar von Ikea und einem Regalmeter FNP von Moormann?

Dafür können wir noch nicht einmal die Verpackung machen. Bei einem so großen Hersteller wie Ikea ist der gesamte Produktionsprozess bis hin zum eigenen Wald ausgelutscht. Der schreibt eine halbe Million Meter eines bestimmten Holzes aus und der Billigste bekommt den Zuschlag. Das ist clever, aber nicht meine Welt. Aber für Nischenanbieter wie uns wird es immer Platz geben und die Welt verändert sich. Die Welle ist nicht aufzuhalten. Es gibt immer mehr Menschen, die andere Fragen stellen, die mit weniger sehr glücklich sind. Die freuen sich, wenn die Sinnfrage einigermaßen zufriedenstellend beantwortet wird. Das ist mein Antrieb, weiterzuarbeiten.

Sonst nichts?

Nein. Ich bin 61 Jahre alt. Ich bin erfolgreich. Ich habe alles erreicht, was man erreichen kann als Tellerwäscher. Normalerweise müsste ich jetzt die Firma verkaufen, Haus in der Karibik, den üblichen Kram halt. Ich stelle mir die Sinnfrage doch auch selbst. Was soll ich machen? Die Antwort ist: vernünftige Möbel. In meiner Branche gibt es nur wenige beherzte und beseelte Unternehmer. Da gibt es ein paar große Unternehmungen, da wird in der Regel alles flacher, da entscheiden dann zehn Leute, ob ein Möbel im Programm bleibt oder nicht. Dann gibt es drei Vetos und das Ding fliegt aus dem Programm. Ich als einsamer Kapitän kann sagen, es verkauft sich beschissen, aber wir lassen es drin.

Auch Sie müssen Gewinn machen?

Ja. Wir leben von Erträgen, aber ich muss den Gewinn nicht maximieren. Ich persönlich brauche nicht viel.

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