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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich ... Jürgen Kannewischer?

Das Friedrichsbad in Baden-Baden.

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer eigentlich ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Diesmal spricht Jürgen Kannewischer über Thermen, Badegewohnheiten und knauserige Banken.

Was machen Sie eigentlich?

Wir planen, bauen und betreiben Schwimmbäder. Wir sind häufig der Generalunternehmer, selbst kümmern wir uns um die technischen Anlagen, Architektur- und Bauleistungen vergeben wir weiter.

Wie viele haben Sie denn bis heute gebaut?

300 bis 400, ach schreiben Sie 300.

Das ist ein ziemlicher Unterschied!

Wir machen auch manchmal nur eine Studie oder den Entwurf. Wenn wir alles zählen, sind es vielleicht 2000. Vom Entwurf über die Planung bis einschließlich Bau sind es 300.

Wo stehen denn die meisten?

In Deutschland, ein paar auch in der Schweiz. Wir haben auch vor zwei Jahren ein Thermalbad in Moskau gebaut, aber das sind eher Exoten.

Wie kam es dazu?

Wir haben ein paar Beziehungen zu Moskau.

Die Firma

Kannewischer Holding AG

  • Sitz: Zug
  • Gegründet: 1972 von Bernd Kannewischer
  • Umsatz: circa 29 Millionen Euro
  • Mitarbeiter: circa 400
  • Gesellschafter: Jürgen und Stefan Kannewischer

Sie meinen, in Baden-Baden gibt es jede Menge Russen?

Nicht so viele, wie immer in den Zeitungen steht. Aber einer hat den Bürgermeister gefragt, wer so ein Bad bauen kann und der Bürgermeister hat uns genannt. Dem Russen gehört eine Baufirma, er hat ein 28-stöckiges Wohnhaus gebaut. In Moskau sind die beiden unteren Etagen unverkäuflich wegen der Einbruchsgefahr. Deshalb hat er da ein Bad eingebaut, um seine Wohnungen leichter loszuwerden. Das Haus liegt etwas außerhalb. Aber das Bad ist toll. Wir haben da so ein Goldei gebaut.

So eine Fabergé-Ei-Kopie?

Nein. Einen Ruheraum mit Blattgold verkleidet. Wir durften da alles machen, was wir in Deutschland nicht machen dürfen.

Wieso nicht machen dürfen?

Das zahlt hier keiner. Für den Russen spielte Geld keine Rolle.

Warum bauen Sie dann nicht mehr Schwimmbäder und Thermen in Russland, wenn dort Geld keine Rolle spielt?

In Russland muss man furchtbar aufpassen, dass man zu seinem Geld kommt. Wir haben genug in Zentraleuropa zu tun. Wir machen etwas in Russland, wenn jemand uns bittet...

...gegen Vorkasse..

...ja klar. Sonst habe ich doch keine Chance. In Russland zu versuchen, sein Honorar einzuklagen, ist aussichtslos. Ich habe mal versucht, eine Hermes-Bürgschaft für das Honorar zu bekommen. Die Versicherungssumme war fast so hoch, wie das Honorar selbst. Dann kann ich das auch lassen.

Was ist mit Dubai oder China?

Ich habe mal vor der orangenen Revolution ein Projekt in der Ukraine gemacht, das war damals schon schwierig. Ich war vor zwei Jahren in China, die wollten den Plan der Therme kaufen, die wir in Bad Ems gebaut haben, und eins zu eins in Lijang kopieren, bloß billiger. Lijang ist so ein chinesisches Mallorca. Wir haben dann ein wenig rumverhandelt. Am Ende ist nichts draus geworden.

Weshalb?

Der Denkmalschutz hat es abgelehnt, die wollten ein Pagodendach. Damit war es dann gegessen. Die haben sich dann einen japanischen Architekten geholt.

Wie ging die Reise um die Welt weiter?

Letztes Jahr war ich in den USA, in Montana. Ach ja die Amis.

Wie?

Ich glaube heute an die Geschichte, dass die in Wirklichkeit nie auf dem Mond waren. Wenn ich sehe, was für Technik die in ihre Bäder einbauen, sehr abstrus. Bei uns ist von der Technik nicht zu sehen, die verschwindet hinter den Wänden und im Keller. Im Yellowstone-Park habe ich ein Becken gesehen, da konnte man über einen alten Wasserhahn selbst die Temperatur des Wassers regeln.

Wie viele Thermen betreiben Sie in Deutschland?

Sechs an fünf Standorten. Die Caracalla-Therme und das Friedrichsbad hier in Baden-Baden, die Kiss-Salis-Therme in Bad Kissingen, die Emser Therme in Bad Ems, die Vitasol-Therme in Bad Salzuflen und die Spreewald-Therme in Burg, die gehört uns auch.

Wie ist denn das Durchschnittsalter der Besucher?

Das ist unterschiedlich. In Bad Kissingen liegt es so bei 52 und in Baden-Baden bei 46.

Sinkt das Alter eher oder steigt es?

Es gibt schon viele junge Leute, die gönnen sich am Freitagabend statt des Kinobesuchs die Therme.

Was heißt gönnen, was kostet der Eintritt?

Zwei Stunden in der Caracalla kosten 15 Euro.

Wo kommen denn Ihre Gäste her?

Hier in Baden-Baden kommt etwa die Hälfte der insgesamt 640 000 Gäste jährlich aus Frankreich, die Grenze ist ja nicht weit. Die bleiben schon mal drei, vier Stunden. Wir wollen natürlich, dass die den ganzen Tag bleiben, eine Massage buchen, das Solarium nutzen und was essen.

Wie viel Umsatz machen Sie hier in Baden-Baden?

Ungefähr 13 Millionen Euro.

Machen Sie noch Gewinn?

Mehr oder weniger.

Ist das an allen Standorten so?

Die ersten Jahre sind schwierig, es dauert zwei bis drei Jahre bis eine Therme läuft.