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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich ... Florian Kohler?

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer eigentlich ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Diesmal: ein Gespräch mit Florian Kohler, Inhaber der Büttenpapierfabrik Gmund, über Papier, iPads - und die Hochzeitseinladung von Marissa Mayer.

SZ: Herr Kohler, was machen Sie eigentlich?

Florian Kohler: Wir gestalten neue Papiere und entwickeln für Marken Papierkommunikation.

Seltsames Wort. Was muss man sich darunter vorstellen?

Das kann alles sein - von Einladungen über die Verpackung, alles wo eine Marke an den Kunden herantritt. Wir entwickeln und produzieren das Papier dann auch.

Wer sind denn Ihre Kunden?

Firmen wie Triumph, BMW, Hermes und viele andere mehr.

Macht es denn einen Unterschied, ob ich eine Einladung per Mail verschicke oder auf Papier?

Der Einladung auf Papier kommen Menschen eher nach als der elektronischen. Es gab mal eine Untersuchung, dass die Zusagen doppelt so hoch sind, wenn die Einladung auf Papier erfolgt und nochmal um die Hälfte höher, wenn sie auf edlem Papier erfolgt. Das rechnet sich also auch für die Unternehmen. Eine Veranstaltung amortisiert sich doch eher, wenn möglichst viele zusagen.

Wie viel Tonnen Papier stellen Sie im Jahr her?

Etwa 7000.

Wie viel Blatt Papier im Format DIN A4 wären das?

Wir rechnen nicht in DIN A4. Das mutmaßt, dass es sich um Schreibpapier handelt. Aber nur ein verschwindend geringer Teil unseres Geschäfts sind Papiere, Couverts oder Blöcke für den privaten Gebrauch. Die Mehrzahl unserer Kunden sind Unternehmen.

Die Firma

Büttenpapierfabrik Gmund GmbH & Co. KG

  • Sitz: Gmund am Tegernsee
  • Gegründet: 1829 von Johann Nepomuk Haas, seit 1904 im Besitz der Familie Kohler
  • Umsatz: keine Angaben
  • Mitarbeiter: 120 (2014)
  • Branche: Papierherstellung

Kann man sich seine Initialen in das Papier einarbeiten lassen?

Ja oder ein Wasserzeichen.

Kommt das oft vor?

Bei privaten Kunden schon. Die kommen auch her, und dann entwickeln wir gemeinsam das Papier oder die Einladung zur Hochzeit oder zu anderen Anlässen. Die Einladungskarte ist schon ein Indiz dafür, wie gut und anspruchsvoll die Veranstaltung ist und wie wichtig ich dem Gastgeber bin.

Was kostet dann so eine Karte mit Umschlag?

Das reicht von einem Euro bis zu 100 je nach Aufwand und Auflage.

Wer macht so etwas?

Jeder, der nicht 08/15 sein möchte. Das ist keine Frage des Geldbeutels. Bei uns bestellen Studenten genauso wie die Promis dieser Welt.

Wer sind denn Ihre prominentesten Kunden?

Das jordanische Königshaus zählt zu unseren Stammkunden.

Die Karten kosten dann 100 Euro!

Nein. Könige sind manchmal bescheidener als man meint. 100 Euro sind eher die Amerikaner. Marissa Mayer hat ihre Einladungen für die Hochzeit von uns entwickeln und produzieren lassen. Damals war sie noch stellvertretende Chefin von Google.

Und die reiste nach Deutschland, um in Gmund Papier auszusuchen?

Ja. Ich konnte ja nicht mit unserem ganzen Sortiment in die USA reisen.

Haben Sie sich nicht gewundert, dass eine Person aus der virtuellen Welt Karten bei Ihnen bestellt?

Nein, überhaupt nicht. Je stärker ein Mensch in der virtuellen Welt unterwegs ist, umso stärker braucht er das Reelle. Kein Mensch kann nur virtuell unterwegs sein, dann würde er intellektuell komplett verarmen.

Das ist jetzt Ihre Theorie?

Das kann doch jeder sehen. Sie sehen doch, wie die Hersteller von Ebooks und Tablet- Computern versuchen, möglichst reell auszusehen, die stellen Holzregale auf ihre Seiten, die Bücher sehen echt aus. Die Virtuellen versuchen alles, dem Reellen möglichst nahe zu kommen. Langfristig wird das Virtuelle das Reelle nie ersetzen. Das will kein Mensch.

Haben Sie ein iPad?

Ja, ich liebe es.

Und Sie schreiben Briefe?

Eher Karten mit zwei, drei Zeilen, zum Beispiel um mich für eine Einladung zu bedanken. Das ist viel netter.

Wie viel Zellulose braucht man zur Herstellung von einem Kilo Papier?

Etwa ein Kilo.

Was steckt noch im Papier?

Wasser, Kartoffelstärke und je nachdem Farbe.

Ist es ökologisch nicht eine ziemliche Verschwendung, Bäume für Papier zu fällen?

Das ist auch so eine Mär, dass Bäume wegen der Papierherstellung gefällt werden. Alte Bäume braucht die Möbelindustrie. Um Zellulose zu gewinnen, braucht man junges Holz. Holz ist der ökologistischste Rohstoff überhaupt, weil er nachwächst. Theoretisch lässt sich jede pflanzliche Faser zu Papier verarbeiten. Wir verarbeiten auch Stroh, Hanf und Baumwolle.

Welches Holz nehmen Sie?

Vor allem Fichte und Eukalyptus.

Wie viel Wasser braucht man zur Herstellung von einem Kilo Papier?

Bis vor zehn Jahren brauchten wir 75 Liter pro Kilo, heute nur noch 20. Der durchschnittliche Verbrauch liegt heute weltweit bei 50 Litern.

Florian Kohler, Gmund

Florian Kohler, 52, Inhaber der Büttenpapierfabrik Gmund GmbH & Co. KG

(Foto: OH)

Klassentreffen Mittelstand - der Kongress für Weltmarktführer, Familienunternehmer und Gründer

Der deutsche Mittelstand ist die Stärke der deutschen Wirtschaft. Seinen Werten, Strategien, Erfolgen und Sorgen widmet sich das 1. Klassentreffen Mittelstand der Süddeutschen Zeitung am 3. und 4. Juni 2014 in Bielefeld.

Anmerkung: In einer ersten Fassung des Artikels war der Vorname von Florian Kohler versehentlich mit Peter angegeben worden.

© Süddeutsche.de/luk
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