Deutscher Mittelstand Was macht eigentlich ... Dirk Sprakel?

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer eigentlich ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Diesmal: ein Gespräch mit Dirk Sprakel, Chef des Brandschutz-Spezialisten Fogtec, über Feuer, Nebel und die Hamburger Elbphilharmonie.

Von Elisabeth Dostert

SZ: Was machen Sie eigentlich?

Dirk Sprakel: Wir stellen Wasservernebelungssysteme her und entwickeln Brandschutzkonzepte.

Scheint mir nicht besonders originell, Feuer mit Wasser zu löschen?

Stimmt, Wasser ist das älteste Löschmittel der Welt. Aber es hat auch die höchste Wärmebindungskapazität. Nur wird die bislang relativ ineffizient genutzt. Wenn man Feuer mit dem C-Schlauch der Feuerwehr löscht, über konventionelle Sprinkleranlagen, wie sie in Hotels und Büros an der Decke angebracht sind, laufen 90 Prozent des Wassers ungenutzt ab, ohne eine Löschwirkung zu entfalten.

Worin besteht Ihre Kunst?

Wir löschen mit winzigen Tropfen. Wird die Reaktionsoberfläche größer dann brauche ich weniger Wasser und der Wasserschaden ist deutlich geringer. Der eigentliche Kick ist, dass Wasser zu atomisieren und nicht in großen Mengen unkontrolliert einzusetzen. Statt theoretisch zehn Liter Wasser brauche ich nur einen. Dann ist auch der Wasserschaden kleiner, das ist z.B. für Museen und Archive wichtig.

Wie groß sind Ihre Tropfen?

Zwischen 0,02 und 0,1 mm. Jeder Sprühnebel besteht aus Tropfen unterschiedlicher Größe.

Ist das so gewollt oder können Sie das nicht besser?

Es gibt keine Düse, die uniforme Tröpfchen macht. Außerdem pappen in der Luft auch wieder welche zusammen, andere schmelzen ab.

Fogtec Brandschutz GmbH & Co. KG

  • Sitz: Köln
  • Gegründet: 1997 durch Dirk Sprakel
  • Umsatz: 20 bis 30 Millionen Euro
  • Mitarbeiter: 110

Lässt sich mit Nebel jeder Brand löschen?

Fast jeder, sogar Flüssigkeiten wie Fett, weil der Nebel gleich an der Oberfläche des Fetts verdampft und dem Brand Energie entzieht. Wir rüsten auch Frittierstraßen mit unseren Systemen aus.

Was kann man nicht löschen?

Metallbrände.

Wer hatte denn die Idee, Feuer mit Nebel zu löschen?

Die Idee, Wasser in möglichst kleine Tropfen zu zerteilen, in dem man es durch eine Düse jagt, gab es schon in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die ersten Anlagen arbeiteten aber mit sehr niedrigem Druck und daher ineffizient. Deshalb wurde die Idee nicht weiterverfolgt. In den 80er Jahren hat dann ein norwegischer Kapitän versucht, Feuer mit einem Hochdruckreiniger zu löschen, weil es auf Schiffen immer mal wieder brannte. Die Idee wurde nicht kommerzialisiert. Über ein paar Umwege kam sie dann zu uns.

Über welchen Umweg?

Meiner Familie gehört die Firma Kamat, sie stellt Hochdruckpumpen her, zum Beispiel für das Applizieren von Pflanzenschutzsprays. So kamen wir auf die Idee, dass sich mit dem Nebel vielleicht auch Brände löschen lassen. Die Tröpfchen verdampfen durch das Feuer. Aus einem Liter Wasser entstehen 1650 Liter Wasserdampf, der den Sauerstoff verdrängt und das Feuer erstickt. Wasserdampf ist ein super Löschgas.

Heißt: mit hohen Drücken kannte sich Ihre Familie aus, von wem kommen die Düsen?

Damit kannten wir uns schon auch aus, aber noch spezialisierter ist die Firma Lechler aus Stuttgart. Aus der Zusammenarbeit entstand dann 1997 die Firma Fogtec. 70 Prozent der Anteile liegen beim Management, davon gut 50 Prozentpunkte bei mir. Die Familie Lechler ist mit 30 Prozent an Fogtec beteiligt.

In welchen Gebäuden stecken denn Fogtec-Systeme?

Wir rüsten gerade einen Tunnel unter der Themse aus. Und wir haben das Staatsarchiv in Paris ausgestattet.

Liefern Sie auch Brandschutztechnik für den neuen Berliner Flughafen?

Nein, wir haben das Projekt zu spät kennengelernt. Ich hätte da schon Spaß dran gehabt. Aber wir haben das Konzept für den Konzertsaal der Elb-Philharmonie entwickelt. Dafür haben wir extra Brandversuche mit der Hamburger Feuerwehr gemacht.

Die Philharmonie ist auch im Verzug. Waren Sie rechtzeitig fertig?

Wir sind noch dabei, die Anlage zu installieren. Wir wären gerne schon lange fertig.

Dirk Sprakel, Gründer des Brandschutz-Entwicklers Fogtec.

(Foto: )

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