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Deutscher Mittelstand:Was macht eigentlich ... Axel Schramm?

Schramm Werkstaetten Winnweiler Axel Schramm

Viel mehr als eine Matratze. Bis zu 50 000 Euro kostet ein Bett aus den Schramm Werkstätten in Winnweiler.

(Foto: Schramm)

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber womit verdienen die Familienunternehmer ihr Geld? Wir stellen einige von ihnen vor. Ein Gespräch mit Axel Schramm über Matratzen, die Möbelindustrie und das Geheimnis der Unterfederung.

Was machen Sie eigentlich?

Wir bauen Matratzen, Unterfederungen und komplette Betten. Wir beschäftigen uns seit fast hundert Jahren intensiv mit dem Schlaf.

Was meinen Sie mit Unterfederung?

Das Pendant zum Lattenrost. Unser System besteht aus zwei Teilen, einer Untermatratze und einer Obermatratze. Beide beinhalten Polsterfedern und sind mit vielen Polstermaterialschichten versehen. Gegebenenfalls kommt dann noch eine Matratzenauflage dazu. Mein Großvater hat zur Unterfederung immer Kastenmatratze gesagt, da die Polsterfedern in einem Holzgestell stehen. Der neuere Begriff ist: Zwei-Matratzensystem. Das Boxspring-System ist nichts anderes als unser Zwei-Matratzen-System, auch wenn viele glauben, das sei ein neuer Hype, der aus den USA nach Europa schwappt. Dabei ist das nichts Neues. Wir haben nie etwas anderes gemacht. Wir nähen auch den Taschenfederkern immer noch von Hand. Das macht sonst keiner mehr.

Was bringt es denn, jede Feder einzeln in die Tasche einzunähen?

Die Matratze passt besser zum Körper. Das Körpergewicht ist ja nicht gleichmäßig verteilt. Rund 40 Prozent unseres Gesamtgewichts entfallen auf den Gesäßbereich, da muss die Federung kräftiger sein. Die Last beispielsweise im Schulterbereich ist geringer und die Schulter möchte in Seitenlage tiefer und weicher einsinken können. Bei durchschnittlichen Matratzen ist das nicht der Fall, deshalb stehen die meisten Menschen nicht so wirklich entspannt auf. In der Seitenlage spüren sie am stärksten ein schlechtes Bett, der oftmals zu hohe Druck auf Hüfte und Schulter raubt einem den guten Schlaf. Das tut richtig weh. Da hilft dann nur noch warm duschen.

Die Firma

Schramm Werkstätten GmbH

  • Sitz: Winnweiler
  • Gegründet 1923 von Karl Schramm
  • Umsatz: 28,6 Millionen Euro (2013)
  • Beschäftigte: 180
  • Gesellschafter: Familie Schramm
  • Geschäftsführer: Axel Schramm, 57, dritte Generation

Wie viele Taschen mit Federn stecken in einer Matratze für ein Einzelbett?

In einer ein Meter breiten Schramm-Matratze stecken etwa 500 Federn mit vier unterschiedlichen Federstärken.

Worin unterscheiden sich die Federn?

Im Durchmesser des Drahtes. Je dicker der Draht, desto höher die Gegenkraft. Durch die handwerkliche Fertigung erreichen wir einen fließenden Kraftverlauf.

Frauen sortieren Federn unterschiedlicher Stärke.

(Foto: Schramm)

In vielen Betten schlafen zwei Menschen mit unterschiedlicher Größe und unterschiedlichem Gewicht. Für einen ist die Matratze doch dann immer falsch?

Das ist ein spontaner Gedanke, aber Gottlob falsch. Wir bauen fünf verschiedene Kraftrezepturen für unterschiedliche Körpergewichte und gleichzeitig sind 95 Prozent der Menschen nach einem ganz bestimmten Regelwerk gebaut. Die Oberkörper von zwei unterschiedlich großen Menschen sind fast gleich lang. Die Größenunterschiede stecken meistens in den Beinen. Deshalb können wir Matratzen serienmäßig fertigen, sonst müsste ja jeder Mensch eine individuell vermessene Matratze haben.

Woher stammen Ihre Schlaferkenntnisse?

Aus der Schlafforschung und der Schlafmedizin. Mein Vater hat sich ursprünglich auch einiges von der Textilindustrie abgeleitet, da sind die Proportionen des menschlichen Körpers ganz gut ermittelt.

Was ist so schlecht an Lattenrosten und Matratzen aus Schaumstoff oder Latex?

Ich behaupte nicht, dass der Lattenrost schlecht ist. Es hat aber Grenzen.

Das sagen Sie jetzt, weil Schramm keine Lattenroste bietet!

Nein. Ein Bett muss doch zwei Dinge erfüllen. Die Liegequalität muss stimmen, also die Ergonomie. Die Matratze muss sich dem Körper anpassen und ihn gleichzeitig unterstützen. Matratzen aus Schaumstoff und Latex passen sich nicht so gut dem Körper an, da muss dann der Lattenrost für die Anpassung sorgen. Die meisten funktionieren aber nur in der Mitte richtig, dort wo der Lattenrost am flexibelsten ist. Neuere Systeme können das etwas besser, aber es bleiben Grenzen.

Welche?

Das Bettklima. Daran denken viele Menschen gar nicht. Die Luftzirkulation muss hervorragend sein, weil wir im Schlaf einen halben bis dreiviertel Liter Wasser verlieren - nicht nur in die Matratze, sondern auch über den Atem in die Luft. Die Feuchtigkeit muss ja irgendwie wegtransportiert werden, also muss die Luftzirkulation stimmen. Die Federkernmatratze bildet ein riesiges Luftpolster. Wenn ich mich im Bett drehe und wende, wirkt sie wie ein Blasebalg und die Luft zirkuliert. Das funktioniert mit einer Vollschaum- oder Latexmatratze bei weitem nicht so gut. Und da, wo die Matratze auf dem Lattenrost liegt, findet gar keine Zirkulation statt. Ich habe schon viele aufgeweichte Lattenroste gesehen oder Schimmelflecken, dort wo die Matratze aufliegt. Ist rein physikalisch gesehen klar!

Wie klar?

Viele Menschen schlafen bei offenem Fenster. Das heißt, dass im Winter die kalte Luft nach unten sinkt. Im Bett herrscht sozusagen Körpertemperatur. Das heißt, dass sich an der Grenze zwischen kalter und warmer Luft Kondenswasser bildet.

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