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Deutscher Mittelstand:Sigmar Gabriel hat eher wenig Ahnung von IT

Versteht er was von IT?

Ich glaube nicht. Ich hoffe, wir können ihm das Thema näher bringen. Ich glaube, er ist jemand, der das Thema Daten und Datensicherheit eher als Bedrohung sieht.

Was hat die erste Sitzung des Beirats gebracht?

Wir haben uns kennengelernt und Gruppen gebildet. Ich sitze in der Gruppe Unternehmen und Gesellschaft. Wir überlegen uns, was wir tun können, um das Bild des Unternehmers in der Gesellschaft positiver zu prägen und mehr Leute zum Gründen zu bewegen.

Woher rührt denn Ihr Gründertrieb? Stammen Sie aus einem Familienunternehmen?

Nein, überhaupt nicht. Mein Vater arbeitet seit mehr als 30 Jahren für MAN und meine Mutter hat viele Jahre für Siemens gearbeitet. Als ich meinen Eltern eröffnet habe, dass ich eine Firma gründen will, war das Entsetzen groß.

Welche Einwände brachten Ihre Eltern vor?

Was willst Du machen, wenn Du mal Kinder hast. Richtig Geld verdient man doch nur in großen Firmen. Junge Firmen überleben nicht sehr lange.

Wollten Sie nicht so wie Ihre Eltern in einem Konzern landen?

Während meines Studiums habe ich durchaus damit geliebäugelt, später in die Beratung zu gehen oder für einen Konzern zu arbeiten. Ich habe ein halbes Jahr Praktikum bei SAP gemacht und dort auch meine Diplomarbeit geschrieben. Es erschien mir fast natürlich, später in einem Konzern zu arbeiten. Als ich dann dort war, habe ich gemerkt, dass das gar nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte.

Welche Vorstellungen hatten Sie denn?

Dass Ideen schnell umgesetzt werden können, dass flexibel auf Ideen reagiert werden kann. Das ist in großen Konzernen überhaupt nicht der Fall. Ob ich heute in die Firma gehe oder krank bin, ist völlig egal. Ein Konzern läuft trotzdem weiter. Das hat mich abgeschreckt. Auf einem Wochenendseminar über Gründen an der Uni Augsburg lernte ich dann Robert kennen. Da habe ich gemerkt, es gibt Alternativen. Robert hat die erste Version von Boxcryptor entwickelt.

Was tun Sie, um im Auftrag von Sigmar Gabriel andere Menschen zum Gründen zu bewegen?

Wir gehen an die Schulen. Die ersten von uns waren schon in Berlin unterwegs und haben erklärt, was ein Unternehmer macht, wie man Unternehmer wird und was man dafür können muss.

Was erzählen Sie in den Schulklassen?

Das Wichtigste und Schönste für mich am Unternehmertum ist, dass man eine eigene Vision entwickeln und verfolgen kann. Da muss man ganz viele Sachen machen, die keinen Spaß machen, Buchhaltung zum Beispiel, aber man weiß immer, es dient der großen Vision vom Unternehmen.

Das Bild der Schüler und Schülerinnen vom Unternehmer ist vielleicht ganz anders?

Ja. In Deutschland ist es sehr negativ. Die Schüler wissen gar nicht, was den Unternehmer ausmacht.

Was haben die Schüler sie denn gefragt?

Ob ich Porsche fahre und mir schicke Urlaube leiste. Ich erzähle dann, dass ich weniger verdiene als meine Mitarbeiter und keine Zeit habe, in Urlaub zu fahren. Die Schüler denken oft, ein Unternehmer muss Superkräfte haben und unglaublich intelligent sein. Ich versuche ihnen klar zu machen, dass ich ein ganz normaler Mensch bin. Als Robert und ich gegründet haben, war ich 23 Jahre alt, er 26. Ich wusste vieles nicht und bin in jede Menge Fettnäpfchen getreten.