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Deutscher Konzernchef in Indien:Automanager Forster zieht sich bei Tata zurück

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Management-Exporte. Carl-Peter Forster, einst General Motors-Europachef, hat beim indischen Autokonzern Tata Motors im vergangenen Jahr den Gewinn verdreifacht. Jetzt zieht er sich unerwartet zurück - aus persönlichen Gründen.

Der Rücktritt von Carl-Peter Forster an der Spitze von Tata Motors ist das zumindest vorläufige Ende der Karriere eines international sehr erfolgreichen deutschen Automanagers. Forster ist in den vergangenen Jahren stets genannt worden, wenn es um Spitzenposten in der Industrie ging, die global aufgestellt ist wie kaum eine andere.

GM Europe chief Forster listens to a speech in Graz

Carl-Peter Forster bleibt dem Unternehmen als geschäftsführendes Mitglied im Verwaltungsrat verbunden - das erleichtert die Anleger.

(Foto: REUTERS)

Aus dem persönlichen Umfeld von Carl-Peter Forster, 57, wird berichtet, dass er sich wegen eines schweren Krankheitsfalles im engsten Familienkreis zum überraschenden Rückzug von dem Spitzenposten bei dem indischen Konzern entschlossen hat. Von "unvermeidlichen persönlichen Umständen" ist in einer Erklärung die Rede.

Konzernchef Ratan Tata äußerte Verständnis für den Schritt von Forster, der dem Unternehmen als nicht geschäftsführendes Mitglied im Verwaltungsrat verbunden bleibt. Analysten in Indien werteten dies am Montag als positives Zeichen für Tata. Die Aktie notierte dennoch fünf Prozent schwächer. Sie hat seit Beginn des Jahres fast die Hälfte ihres Wertes verloren.

Der langjährige Europachef von General Motors war nach dem Hickhack um angebliche Verkaufspläne für die deutsche GM-Tochter Opel zu Tata gewechselt. Er pendelte seitdem zwischen Großbritannien und Indien. In seinen 18 Monaten bei Tata Motors gliederte er die britischen Marken Jaguar und Land Rover in das größte Industriekonglomerat des einstigen Koloniallandes ein.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Forster den Gewinn verdreifacht. Die Erwartungen in den Tata Nano erfüllten sich allerdings nicht. Der als billigstes Auto der Welt angekündigte kompakte Kleinwagen verkaufte sich kaum in dem Land, wo Fahrzeuge oft kräftig überladen werden.

Auch die Luxusfahrzeuge der einstigen Ford-Marke Jaguar liefen zuletzt schwächer. Forster wollte Jaguar als Konkurrenten deutscher Luxusmarken positionieren. Bei einer von ihnen hatte Carl-Peter Forsters Karriere begonnen.

Er war bei BMW Produktionsvorstand von Februar 1999 an. Er verließ im März 2000 mit zwei weiteren Vorständen BMW, weil sie sich mit ihrer Forderung nach Trennung vom Verlustbringer Rover nicht durchsetzen konnten. Von April 2001 an war er Opel-Chef. Zuletzt war Forster als Nachfolger von Ratan Tata im Gespräch, der die Führung des Mischkonzerns zu seinem 75. Geburtstag im Dezember 2012 abgeben will.