bedeckt München 14°

Deutscher Biermarkt in der Krise:Die Welt ist der Heimatmarkt

Für Beck's - in Bremen wird seit 140 Jahren Bier gebraut - ist dagegen die Welt schon immer der Heimatmarkt, anfangs wurde das Bier in den grünen Flaschen mit dem rot-weißen Etikett nur für das Ausland produziert. Erst seit 1949 wird es auch in Deutschland verkauft. 1955 wurde der Slogan "Beck's löscht Männerdurst" eingeführt, seit 1984 gibt es das Segelschiff "Alexander von Humboldt", das für Freiheit und Internationalität stehen soll. Heute steht in Bremen die größte Brauerei in Deutschland, fünf Millionen Hektoliter Bier werden hier im Jahr abgefüllt, dagegen ist Maxlrain natürlich ein Zwerg.

"Wir rechnen damit, dass der Biermarkt in den kommenden zehn Jahren möglicherweise um weitere zehn bis 15 Millionen Hektoliter schrumpfen wird. Der Boden ist in jedem Fall noch nicht erreicht", sagt McAllister. Auch die Marken von AB Inbev - in Deutschland liegt der Umsatz bei geschätzt einer Milliarde Euro - spüren das, der Absatz ging in den ersten drei Quartalen um 6,9 Prozent zurück. AB Inbev setzt auf die Premiummarken Beck's, Hasseröder und Franziskaner und zielt auf Kunden zwischen 18 und 38 Jahren. Beck's etwa verkauft überdurchschnittlich viel Bier in Sechser-Packungen an Kiosken und Tankstellen, Sixpacks machen in Deutschland mehr als die Hälfte des Absatzes aus. Auch die Ansprache ändert sich: Beck's sponsort inzwischen Musikkonzerte.

Durch Milliardenübernahmen zum Weltmarktführer

"Deutschland zählt zu den zehn wichtigsten Märkten im Konzern", sagt McAllister. Das belgisch-brasilianisch-amerikanische Unternehmen ist in den vergangenen Jahren durch immer neue Milliardenübernahmen zum weltweiten Marktführer geworden, mit einem Umsatz von 40 Milliarden Dollar und hohen Gewinnen. 2005 übernahm der Konzern die Münchner Traditionsmarken Spaten, Löwenbräu und Franziskaner, der Name "AB Inbev" taucht hier aber kaum auf.

Unter den weltweit mehr als 200 Marken gibt es vier internationale Vorzeigebiere: Beck's aus Deutschland, Budweiser aus den USA, Stella aus Belgien und Corona aus Mexiko. Derzeit wird geprüft, wie weitere Marken des Konzerns auf den deutschen Markt gebracht und ausgebaut werden: "Im kommenden Jahr werden wir zunächst Leffe aus Belgien in der Gastronomie testen", heißt es.

Die Konkurrenz wächst also. Dabei gibt es in Deutschland die umsatzstarken "Fernsehbiere", also die, die mächtig beworben werden und in jedem Supermarkt erhältlich sind: Krombacher, Veltins, Radeberger gehören etwa dazu. Und es gibt viele, die ohne Werbung gut über die Runden kommen und bei denen die Geschäfte florieren: Die Brauerei Augustiner in München etwa, die das Bier noch immer in den alten bauchigen Flaschen verkauft und sogar bei jungen Leuten in ist. Oder die staatliche Rothaus-Brauerei ("Tannenzäpfle") aus dem Schwarzwald. Auch Maxlrain-Inhaber Lobkowicz verzichtet fast vollständig auf Werbung und setzt auf Qualität: "Unser Erfolgsgeheimnis ist, dass wir uns auf das Produkt konzentrieren." Der Unternehmer ist überzeugt, dass bei Bier der Geschmack entscheidet, nicht der Preis.

© SZ vom 16.11.2013/mike
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema