Deutscher Atommüll:Russland hofft auf Milliardengeschäft

Doch die Sache sollte sich rechnen, hieß es intern: "Die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der geplanten Zusammenarbeit mit russischen Partnern ergibt sich ... durch die Nutzung der Kostenunterschiede (die sich aus den unterschiedlichen Regulierungsvorschriften) zwischen Russland und Deutschland ergeben", heißt es in einem weiteren internen Schreiben dreier EnBW-Atommanager von Ende September 2006. Eine Einschätzung, die Umweltschützer für zynisch halten, denn die Standards der meisten Atomanlagen in Russland reichen bislang bei Weitem nicht an europäische Normen heran. Die Atom-Standorte Majak im Ural und Krasnojarsk in Sibirien, sind nach Einschätzung von Atomkraftgegnern radioaktive Notstandsgebiete.

In Russland findet man die Export-Idee dennoch keinesfalls unsinnig. Die Annahme von Atommüll ist inzwischen nach Gesetzeslage möglich. Die Duma hat 2001 zusammen mit Präsident Wladimir Putin entschieden, dass die Einfuhr radioaktiven Materials ,,zum Zwecke der Zwischen- und Endlagerung und zur Wiederaufarbeitung'' zulässig sei. Die Hoffnung: Ein Milliardengeschäft, dessen Volumen Experten auf bis zu 30 Milliarden Euro schätzen.

EnBW räumt die Rückbaupläne auf SZ-Anfrage ein. Man habe "mögliche Optionen im Ausland geprüft und wirtschaftlich, juristisch und technisch bewertet", heißt es in einer Erklärung. Weil Aspekte der Verträge "Gegenstand laufender gerichtlicher Auseinandersetzungen" seien, lehne das Unternehmen weitere Kommentare ab. Die Pläne seien nicht umgesetzt worden, EnBW habe keinen radioaktiven Abfall nach Russland gebracht, beteuert das Unternehmen. Es habe bei der EnBW AG keine "konkreten Pläne" gegeben, dass das Unternehmen Anlaufstelle für westliche Konzern für die Lieferung radioaktiver Abfälle ins Ausland werden sollte, teilt das Unternehmen mit. Weitere Fragen zu den Endlagerplänen lässt der Konzern ebenso unbeantwortet wie die Frage, ob die Politik über das Vorhaben informiert war.

Die Opposition fordert angesichts dieser neuen Entwicklungen nun endgültig Konsequenzen für die deutsche Atompolitik: "Billig vor sicher, nur darum geht es hier. Der Vorstoß beweist, dass die Gefahr unverantwortlicher Billigentsorgungen im Ausland real ist", warnt Sylvia Kotting-Uhl, Atompolitische Sprecherin der Grünen. "Die EnBW bestätigt unsere Forderung: Atommüllexporte müssen verboten werden!

© SZ vom 27.02.2013/mike
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB