Deutscher Aktienindex:Wieso fliegt Wirecard nicht sofort raus?

Der Kurs ist um mehr als 80 Prozent gefallen und der Konzern ist nicht einmal mehr fünf Milliarden Euro wert. Trotzdem bleibt das Unternehmen wohl bis September im Dax gelistet.

Von Nils Wischmeyer

Der Deutsche Aktienindex ist sowas wie der Olymp für Unternehmen aus der Bundesrepublik. Dort sind die 30 größten und am meisten gehandelten Unternehmen der Börse gelistet, beispielsweise Adidas, Bayer, die Deutsche Bank - und nach wie vor auch Wirecard.

Der Konzern aus Aschheim war im September 2018 in den Leitindex aufgestiegen und hatte damals in einem symbolträchtigen Wechsel die Commerzbank verdrängt. Ein Tech-Konzern ersetzte eine altehrwürdige Bank. Damals war Wirecard allerdings auch wesentlich mehr Wert als die Commerzbank und wurde an den Finanzplätzen stärker gehandelt. Beides ist wichtig für die Aufnahme in den Dax. Zeitweise belief sich der Unternehmenswert auf mehr als 20 Milliarden Euro, die Aktie stand bei fast 200 Euro.

In den vergangenen Tagen ist der Kurs um mehr als 80 Prozent gefallen und der Konzern ist nicht einmal mehr fünf Milliarden Euro wert, was weniger ist als bei vielen Unternehmen, die noch nicht im Dax gelistet sind.

Das wird aller Voraussicht nach auch bis September noch so bleiben. Dann erst prüft die Deutsche Börse wieder die Zusammensetzung im Dax und es greift wohl die Regel des sogenannten "Fast Exit". Diese besagt, dass ein Unternehmen aus dem Dax fliegt, wenn es nach frei handelbaren Aktien oder aber dem Börsenumsatz, nicht mehr zu den 45 größten gehört. Das würde aktuell auf Wirecard zutreffen. Mit einem Unternehmenswert von weniger als fünf Milliarden Euro rangiert der Konzern weit hinter Platz 45. Auch wenn ein Dax-Konzen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen müsste, würde die Firma laut den Regularien der Börse bis zum Herbst im Index bleiben. Als Nachrücker für Wirecard kämen dann die Lieferdienst-Plattform Delivery Hero oder Symrise, ein Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen in Frage. Dass Wirecard langfristig im Dax bleibt, gilt jedenfalls als eher unwahrscheinlich.

© SZ vom 24.06.2020
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