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Deutsche Wirtschaft:Chor der Optimisten

Es darf wieder gejubelt werden: Egal, wer sich derzeit zur Wirtschaft äußert, er vermeldet nur Positives. In den Chor der Optimisten reihten sich nun die deutsche Industrie sowie renommierte Konsum- und Konjunkturforscher ein.

Egal, aus welcher Richtung sie kommen - die neuesten Nachrichten zur Wirtschaftslage in Deutschland klingen ungeheuer positiv. Zum Beispiel über die immer größere Kauflust der Verbraucher: Ob passende Stiefel zum neuen Herbstmantel oder Boxen für die Musikanlage - die deutschen Konsumenten scheinen die Krise abgehakt zu haben.

Verbraucher erklären Krise für beendet

Die Verbraucher erklären die Krise für beendet.Die Verbraucherstimmung liegt wieder auf dem Niveau vom Sommer 2008, als die Weltwirtschaft ins Trudeln geriet. Verantwortlich dafür sei der konjunkturelle Aufschwung mit sinkenden Arbeitslosenzahlen sowie ein moderates Preisklima, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. Dass sich die Konjunktur prächtig entwickelt, belegten zudem die neuen Einschätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sowie des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI). 

(Foto: dpa)

Vielen fällt der Griff ins Portemonnaie wegen des konjunkturellen Aufschwungs mit sinkenden Arbeitslosenzahlen bei geringer Inflation zunehmend leichter. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ging die Verbraucherstimmung im September deutlich nach oben und lag wieder auf dem Niveau von vor der Krise.

Derweil gehen sowohl die Industrie als auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für 2010 von einem massiven Wirtschaftswachstum von deutlich über drei Prozent aus, das sich im nächsten Jahr aber wieder abschwäche.

Industrie: "Vernünftiges Wachstum"

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) erwartet für 2011 dennoch ein "vernünftiges Wachstum", wie Präsident Hans-Peter Keitel in Berlin sagte.

In diesem Jahr werde die deutsche Wirtschaft sogar um spürbar mehr als drei Prozent zulegen. Das sehen auch die Volkswirtschaftler des DIW so: Sie erhöhten ihre Prognose von 1,9 auf 3,4 Prozent. Für 2011 rechnen die Forscher mit einem Wachstum von zwei Prozent.

Die Konjunkturerholung trage vor allem der Export, im nächsten Jahr hänge sie dann aber stärker vom Konsum ab. Der private Verbrauch wird nach Ansicht der GfK aber bereits in diesem Jahr spürbar zunehmen.

Gingen die Nürnberger Marktforscher bislang von einer Stagnation aus, erwarten sie nun bei gleichbleibenden Bedingungen einen Anstieg um bis zu 0,5 Prozent. Das GfK-Konsumklima stieg im September von revidiert 4,3 auf 4,9 Punkte erneut deutlich an.

"Tariferhöhungen durchaus wieder drin"

Das Unternehmen sprach zunächst sogar von einem Drei-Jahres-Hoch, musste seine Angaben aber korrigieren. Die Konsumenten gingen derzeit davon aus, dass sich die konjunkturelle Belebung auch in den kommenden Monaten fortsetze, erläuterte die GfK.

Da zudem ein moderates Preisklima herrsche, sähen die Arbeitnehmer offenbar eine realistische Chance auf steigende Löhne und Gehälter - die Einkommenserwartung kletterte auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren und beflügelte die Kauflust.

"Alle haben im letzten Jahr den Gürtel enger geschnallt, dann können sie den in diesem Jahr auch wieder eine Schnalle aufmachen", sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst."Bei einem Wachstum von über drei Prozent sind auch Tariferhöhungen durchaus wieder drin."

Die deutsche Wirtschaft sehen die Bundesbürger laut GfK klar auf Erholungskurs. Entscheidend trägt dazu die gute Lage am Arbeitsmarkt bei: Experten sehen realistische Chancen, dass die Zahl der Jobsuchenden in diesem Herbst unter die Drei-Millionen-Marke fällt.

Neuer Hartz-IV-Satz kein großes Konjunkturprogramm

Auch die Unternehmen sind positiv gestimmt. Die Konjunkturerwartung der Verbraucher stieg deshalb auf den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Auch die zuletzt rückläufige beziehungsweise stagnierende Anschaffungsneigung legte wieder zu.

Dass Hartz-IV-Empfänger künftig bis zu fünf Euro im Monat mehr zur Verfügung haben, beeinflusst den privaten Verbrauch jedoch kaum, auch wenn der Großteil davon direkt in den Konsum fließen dürfte. "Das gesamte Ausmaß ist jetzt nicht so, dass der Konsum dadurch sichtbar ansteigt", sagte Wübbenhorst.

Trotz der Gesamtsumme in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro könne man "sicherlich nicht sagen, dass das ein großes Konjunkturprogramm ist". Ohnehin sei die Zeit der Subventionen vorbei, der Schuldenabbau müsse nun Priorität haben.