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Deutsche Unternehmen:Mehr Exporte nach Russland

Firmen in Deutschland fordern erneut die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Sie befürchten, dass andere die Geschäfte machen. Doch nach einer Aufhebung sieht es derzeit nicht aus.

Die deutschen Exporte nach Russland steigen erstmals seit Beginn der westlichen Sanktionen wieder. Die Ausfuhren legten im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozent zu. "Die aktuellen Zahlen lassen hoffen, dass der deutsch-russische Handel nach zwei verlustreichen Jahren die Talsohle durchschritten hat", sagte der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Michael Harms, am Montag. Seit Frühjahr 2013 sind die Exporte in den einstmals am schnellsten wachsenden deutschen Auslandsmarkt 13 Quartale in Folge zurückgegangen - zunächst wegen der Wirtschaftskrise in Russland, dann wegen der im März 2014 beschlossenen Sanktionen nach der Annexion der Krim und dem russischen Vorgehen in der Ost-Ukraine. "Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, könnte für das Gesamtjahr 2016 noch ein leichtes Exportplus erreichbar sein", sagte Harms.

Insgesamt betrachtet gab es in den ersten neun Monaten noch ein Minus von einem Prozent. Die Trendwende im dritten Quartal stimmt die Exporteure aber nun optimistisch. "Im kommenden Jahr erwarten wir angesichts der moderaten Belebung der russischen Wirtschaft eine weitere Exportzunahme", sagte Harms. Für ein kräftigeres Wachstum sei aber eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Unternehmen nötig. "Dazu gehören Fortschritte in der Sanktionsfrage und der Verzicht auf neue protektionistische Maßnahmen auf russischer Seite."

Die deutschen Exporte nach Russland haben sich seit 2012 von 38 auf knapp 21 Milliarden Euro nahezu halbiert. Die Zahl deutscher Unternehmen mit einer Präsenz dort nahm von etwa 6000 auf 5500 ab. Die deutsche Wirtschaft befürchtet, wegen der Sanktionen dauerhaft Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren - beispielsweise an Firmen aus China. Sie dringt deshalb darauf, die Strafmaßnahmen gegen Russland schrittweise aufzuheben. Danach sieht es aber nicht aus. Die USA und die fünf großen EU-Staaten haben am vergangenen Freitag beschlossen, den Druck auf Russland wegen des Konflikts in der Ukraine und in Syrien aufrechtzuerhalten.