Mobilfunk:Telekom strebt die Mehrheit bei US-Tochter an

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Eine Filiale von T-Mobile US am belebten Times Square in New York: Die Geschäfte laufen derzeit besonders gut. (Foto: Christoph Dernbach/picture alliance/dpa)

Telekom-Chef Tim Höttges will am Erfolg des Mobilfunkanbieters T-Mobile US partizipieren. Jetzt ist er seinem Ziel einen entscheidenden Schritt näher gekommen - mithilfe geschickter Deals.

Von Caspar Busse

Tim Höttges war die Zufriedenheit anzumerken. Der 58-jährige Telekom-Chef trug eine graue Bomberjacke, auf der Brust prangte das Telekom-T in der Konzernfarbe Magenta, als er am Dienstagmorgen ein ziemlich kompliziertes Geschäft präsentierte. Daran sind gleich mehrere Seiten beteiligt, und es fließen Milliardensummen. Zufrieden ist Höttges, weil er damit am Ende seinem großen Ziel einen entscheidenden Schritt näher kommt, nämlich die Mehrheit an dem amerikanischen Mobilfunkbetreiber T-Mobile US zu erlangen. "Das ist ein wichtiger und guter Tag für uns", sagte Höttges. Er habe angekündigt, bei T-Mobile US aufzustocken, jetzt könne er "liefern", so der Telekom-Chef, der Europas größten Telekomkonzern seit 2014 führt.

Die Deutsche Telekom erhöht so die Beteiligung an T-Mobile US von 43,2 Prozent auf nun 48,4 Prozent - und das, ohne neues Kapital investieren zu müssen. Das ist ein großer Vorteil, ist die Telekom doch hoch verschuldet und muss gleichzeitig viel Geld in den Aufbau der neuen Mobilfunktechnologie 5G stecken. Bis zum Ziel, nämlich 50,1 Prozent an der börsennotierten US-Firma zu kontrollieren, ist es jetzt nur noch ein kleiner Schritt. Das amerikanische Mobilfunkunternehmen ist derzeit sehr erfolgreich und wächst rasant, wovon die Deutsche Telekom sehr profitiert.

Der Deal ist komplex. Zum einen einigte sich Höttges mit dem japanischen Tech-Investor Softbank auf eine engere Zusammenarbeit. Konkret geben die Bonner 225 Millionen neue Telekom-Aktien an Softbank aus, die mit 20 Euro je Aktie bewertet sind. Softbank hält damit künftig 4,5 Prozent an dem ehemaligen deutschen Bonner Staatskonzern und wird zum zweitgrößten Telekom-Aktionär - hinter dem Bund. Softbank-Manager Marcelo Claure soll in den Telekom-Aufsichtsrat einziehen. Die Telekom erhält im Gegenzug von Softbank rund 45 Millionen Aktien an T-Mobile US zum Preis von durchschnittlich 118 Dollar je Aktie. Claure betonte, er gehe davon aus, dass die Telekom-Aktie weiter steigen wird. Er glaube an das Telekom-Papier, es habe "noch viel Potenzial", sagte er. Softbank hat sich verpflichtet, die Telekom-Aktien mindestens bis zum Jahr 2024 zu halten.

Tim Höttges ist seit 2014 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, davor war er Finanzvorstand, im Unternehmen ist er seit dem Jahr 2000. (Foto: Oliver Berg/dpa)

"Diese Kooperation verspricht Wertsteigerungspotenziale für beide Unternehmen, Softbank und Deutsche Telekom", sagte Höttges zur engeren Zusammenarbeit mit Softbank. Die Japaner sind unter anderem für Beteiligungen an Konzernen wie Uber oder Alibaba bekannt. Die US-Tochter der Telekom hatte sich im vergangenen Jahr nach sehr langen Verhandlungen mit dem kleineren Konkurrenten Sprint zusammengeschlossen, dieser gehörte bis dahin Softbank. Deshalb sind die Japaner noch einer der großen Aktionäre der neue T-Mobile US.

Gleichzeitig gab Höttges bekannt, dass die Telekom-Beteiligung in den Niederlanden verkauft wird. Das Geschäft wird dort bislang zusammen mit Tele 2 gehalten. Jetzt wird es an ein Konsortium aus den Finanzinvestoren Apax und Warburg Pincus veräußert. Offenbar gab es auch andere Interessenten. T-Mobile Netherlands wird dabei mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Es ist eine der größten Transaktionen im europäischen Telekommunikationsmarkt in diesem Jahr.

Fast vier Milliarden Euro kommen aus dem Verkauf in den Niederlanden

Bei Vollzug der Transaktion erhält die Deutsche Telekom rund 3,8 Milliarden Euro für ihren 75-Prozent-Anteil (Tele 2 hat die übrigen 25 Prozent). Mit einem größeren Teil dieses Erlöses sollen weitere 20 Millionen Aktien an T-Mobile US gekauft werden. Die Telekom wollte sich schon länger aus den Niederlanden verabschieden, weil es nicht mehr in die Strategie passte: Der Konzern will in allen europäischen Märkten Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand anbieten - in den Niederlanden gibt es nur Mobilfunk im Programm.

T-Mobile US steht bereits für etwa zwei Drittel des gesamten Telekom-Umsatzes und ist damit bereits deutlich wichtiger als der Heimatmarkt Deutschland. Die Telekom kann die Zahlen der Amerikaner aufgrund von Sondervereinbarungen bereits vollständig in der eigenen Bilanz konsolidieren, obwohl die Bonner (noch) nicht Mehrheitseigentümer sind. Erst im Mai hatte Höttges auf dem Kapitalmarkttag betont, dass die Mehrheit an der US-Gesellschaft erworben werden soll. Der Bonner Konzern ist derzeit an der Börse rund 85 Milliarden Euro wert und damit einer der großen Werte im Deutschen Aktienindex (Dax). T-Mobile US kommt sogar auf einen Börsenwert von mehr als 140 Milliarden Euro. Die Aktie hat nach der Ankündigung der Fusion mit dem Wettbewerber Sprint vor knapp drei Jahren deutlich zugelegt, das Zusammengehen wurde dann erst im vergangenen Jahr genehmigt.

Als Nächstes stehen die Funktürme auf der Liste

T-Mobile US und Sprint sind zusammen einer der wichtigsten Mobilfunkanabieter in den USA, dem größten Mobilfunkmarkt der Welt. Wie es nun weitergeht, wollte Höttges nicht sagen. Man mache "einen Schritt nach dem anderen", betonte er und bestätigte den mittelfristigen Ausblick. "Wir wollen mehr verdienen als in der Vergangenheit", betonte Höttges schon im Mai und stellte auch höhere Dividenden in Aussicht.

Neben dem Verkauf in den Niederlanden war zuletzt auch die Veräußerung der Funktürme angekündigt worden, unklar ist bislang, ob eine Minderheit oder eine Mehrheit abgegeben werden soll. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Telekommunikationskonzerne, darunter auch Vodafone, ihre Funktürme verkauft oder an die Börse gebracht. Die Netzbetreiber mieten die Antennenplätze dann zurück und teilen sich mehr und mehr Masten mit anderen Anbietern, wie es in Amerika schon lange üblich ist. Die Telekom-Aktie legte am Dienstag zu.

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