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Deutsche Telekom:Mast have

Spain's Cellnex Telecom SA Sites As Company Eyes Stake In $11 Billion Tower Deal

Antennenstation von Cellnex: Der spanische Konzern und die Deutsche Telekom legen ihr Mastgeschäft in den Niederlanden zusammen.

(Foto: Angel Garcia/Bloomberg)

Mobilfunktürme sind Investoren gerade viel Geld wert. Auch, weil Telekomfirmen Funklöcher stopfen müssen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Es sind nur gut 3100 Stahlmasten und Dachstandorte, die der Deutschen Telekom in den Niederlanden gehören. Das mag nicht spektakulär anmuten. Und doch sind solche Mobilfunkstationen neuerdings ein Vermögen wert. Jüngste Volte: Die Telekom will ihr niederländisches Turmgeschäft mit dem des Konzerns Cellnex zusammenlegen. Das haben die Firmen nun vereinbart. Dafür soll die Telekom 250 Millionen Euro erhalten; zudem bleibt sie über einen Fonds mit 400 Millionen Euro an der Mastgemeinschaft beteiligt. "Die Vereinbarung mit Cellnex unterstreicht den hohen Wert passiver Mobilfunk-Infrastruktur", so Chef Tim Höttges.

Tatsächlich verkaufen immer mehr Telekomunternehmen ihre Mobilfunktürme oder bringen sie an die Börse. Sie mieten Antennenplätze dann für mehrere Jahre, statt die Masten zu besitzen; in Amerika ist das schon lange üblich. Funktürme bringen somit planbare Mieteinnahmen; das schätzen Investoren in Nullzinszeiten.

Hinzu kommt, dass die Welt in Zukunft eher mehr Antennen brauchen dürfte. Denn Privatleute und Firmen verschicken immer mehr mobile Daten; Netzbetreiber müssen Funklöcher stopfen und beginnen damit, die neue 5G-Technik auszurollen. All das weckt freilich auch Sorgen: vor der Strahlung oder um das Stadtbild. Doch umso mehr neigt die Branche dazu, dass nicht mehr jeder Mobilfunkanbieter in jedem Flecken einen Mast baut - sondern dass sich mehrere Konzerne ein und denselben Turm teilen. Das weckt unter Investoren die Hoffnung auf steigende Einnahmen pro Standort.

All das mündet in Milliarden-Transaktionen: So hat die spanische Telefónica vorige Woche angekündigt, dass sie mehr als 30 000 Masten in Europa und Lateinamerika für 7,7 Milliarden Euro an den Spezialisten American Tower verkaufen will. Die britische Vodafone will ihre Tochter Vantage Towers mit gut 68 000 Standorten in Europa noch in der ersten Hälfte dieses Jahres in Frankfurt an die Börse bringen; Analysten schätzen den Wert auf bis zu 20 Milliarden Euro. Und die Telekom hält sich offen, ihre Tochter Deutsche Funkturm mit rund 31 000 Stationen wenigstens teilweise abzugeben. In jedem Fall haben die Unternehmen dann einmalig mehr Geld zur Verfügung, etwa für den Netzausbau.

Der neue Fonds in den Niederlanden, an dem die Telekom nun vorerst die Mehrheit hält, erwägt derweil, neben der Beteiligung an den Masten auch in andere Telekommunikationsprojekte in Europa zu investieren. Dafür plant der Fonds auch zusätzliches Kapital anderer Investoren aufzunehmen. Der Anteil der Telekom könnte dann auf etwa 25 Prozent zurückgehen, beabsichtigt der Konzern. An der Börse haben die Bonner am Donnerstag zeitweise gut ein Prozent an Wert gewonnen.

© SZ vom 22.01.2021
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