Glasfaserausbau:Mehr Freiheit für die Deutsche Telekom

Ausbau der Glasfaseranschlüsse in Schleswig-Holstein - der Breitbandausbau in Deutschland schreitet nur langsam voran.

Buddeln für schnelleres Internet: Damit Glasfaserleitungen alte Kupferkabel ersetzen können, braucht es Tiefbauarbeiten.

(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Der Marktführer muss Konkurrenten Zugang zum Festnetz gewähren. Doch zumindest bei Glasfaseranschlüssen will die Bundesnetzagentur künftig keine Konditionen mehr vorgeben.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Wer einen neuen Telefonanbieter sucht, hat vielerorts die Wahl. Soll es die Deutsche Telekom sein? Oder einer ihrer Wettbewerber von 1&1 bis O2? Aber wie man auch entscheidet, am Ende steckt hinter vielen Marken oft: das Netz der Telekom. Denn der einstige Monopolist muss der Konkurrenz Zugang zu seinem Festnetz gewähren, das er in den vergangenen Jahren - mit allerlei Glasfaser vor dem letzten Stück Kupferkabel ins Haus - für schnelleres DSL-Internet gerüstet hat. Die Bundesnetzagentur gibt die Konditionen dieses Zugangs vor. So will die Behörde Wettbewerb ermöglichen, zumal die Telekom ihr Festnetz ja einst von der Bundespost geerbt hatte.

Doch die Technik entwickelt sich weiter. Direkte Glasfaserleitungen treten an, das alte Kupfer zu ersetzen. Da soll sich auch die Regulierung verändern: Wenn die Telekom nun mehr und mehr Glasfaser bis in Häuser und Wohnungen verlegt, soll sie zwar weiterhin Konkurrenten Zugang gewähren - und zwar ohne Diskriminierung, zu gleichen Bedingungen wie dem eigenen Vertrieb. Doch die Netzagentur will die Konditionen dann nicht mehr im Voraus festlegen. So schlägt es die Behörde in einem Entwurf für die nächsten Jahre vor. "Nur für den Fall eines wettbewerbsfeindlichen Missbrauchs behält sich die Bundesnetzagentur ein Eingriffsrecht vor", sagt Präsident Jochen Homann. Er spricht von einem "Paradigmenwechsel".

Mit dieser sogenannten "Regulierung light" will die Behörde der Telekom einen Anreiz geben, den Glasfaserausbau in Deutschland zu beschleunigen. Bundesweit haben zuletzt 1,9 Millionen Haushalte einen direkten Glasfaseranschluss zum Surfen benutzt, berichtet die Netzagentur. Noch gibt es also deutlich mehr DSL- und Kabelkunden. Doch der Trend hin zu immer mehr Streaming, Videokonferenzen und Heimvernetzung spricht langfristig für die flinke - und nicht gerade billige - Glasfaser. Unternehmen wie die Telekom oder Deutsche Glasfaser wollen in den kommenden Jahren Millionen direkte Glasfaseranschlüsse hierzulande verlegen. Der Ausbau kostet der Branche mehrere Milliarden Euro, vielerorts fördert der Staat ihn aber auch.

Bevor die Netzagentur endgültig entscheidet, gibt sie der Branche nun noch fünf Wochen Zeit für Stellungnahmen. Die Telekom begrüßt den neuen Ansatz grundsätzlich. Allerdings hat Vorstandschef Tim Höttges bereits am Wochenende deutlich gemacht, dass Regulierung und Förderung nicht die einzigen Bedingungen für direkten Glasfaserausbau seien. "Dazu zählen zum Beispiel schnelle Genehmigungsverfahren und die Zulassung moderner Verlegetechnik", mahnte der Manager.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB