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Deutsche Telekom:Flinkfunk mit Fußnoten

Deutsche Telekom

Bauhelm in Firmenfarben: Die Telekom will bis Jahresende potenziell 90 Prozent der Bevölkerung mit dem neuen Mobilfunkstandard versorgen.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Der Konzern baut 5G schneller aus als bislang geplant.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Große Datenmengen in Windeseile übertragen, praktisch ohne Verzögerung: So lautet das Versprechen von 5G. Der Mobilfunkstandard soll autonom fahrenden Autos und anderen Zukunftstechnologien den Weg bereiten. Nun will die Deutsche Telekom ihr 5G-Netz hierzulande schneller ausbauen als bislang angekündigt. Mittlerweile versorge der Konzern Gebiete, in denen gut 80 Prozent aller Menschen in Deutschland leben. "Unser Ziel ist ganz klar, die 90 bis Jahresende zu schaffen", stellt Technikchef Walter Goldenits in Aussicht. Mithin kommt die Telekom zwar schneller voran als ihre Konkurrenten Vodafone und Telefónica ("O₂"). Gleichwohl sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen.

Denn 5G funktioniert nur, wenn Kunden ein Smartphone und einen Tarif haben, die den Standard unterstützen. Das können noch längst nicht alle Geräte, obgleich das Angebot steigt. Zudem kommt es im Mobilfunk nicht nur auf die Abdeckung möglichst vieler Haushalte an, sondern gerade auch auf den Empfang in der Fläche. Hier haben alle Netzbetreiber - etwa entlang von Bahnstrecken - Nachholbedarf, wie auch Goldenits einräumt.

Darüber hinaus nutzen die Telekom und ihre Konkurrenten jene hohen Frequenzen, die sie in der 5G-Auktion 2019 ersteigert haben, bislang vor allem in Großstädten mit vielen Daten auf engem Raum. Diese Wellen ermöglichen in der Spitze tatsächlich, gut 1000 Megabit Daten pro Sekunde herunterzuladen. Das ist deutlich mehr, als die meisten Festnetzanschlüsse erlauben. Freilich brauchen diese Frequenzen vergleichsweise viele Funkmasten, da sie nicht weit reichen. Auf dem Land nutzt die Telekom hingegen Frequenzen um 2,1 Gigahertz, vorwiegend an längst bestehenden Stationen. Damit können Kunden bis zu 250 Megabit pro Sekunde laden.

Schließlich lässt sich konstatieren, dass die Netzbetreiber 5G bislang auf ihr bestehendes 4G-Netz aufsetzen. Beispielsweise nutzen sie Antennen, die sowohl 4G- als auch 5G-Signale bereitstellen - je nachdem, welche Geräte gerade in der Nähe sind. Es dürfte noch dauern, bis die Telekom und ihre Konkurrenten auch das sogenannte Kernnetz hinter den Antennen auf 5G umgestellt haben. Erst dann wird der Standard seine vollen Versprechen erfüllen können. Wann die Telekom so weit sein wird, sei "eines der heißesten Geheimnisse, die wir haben", sagt Manager Goldenits.

Insgesamt will der Konzern alleine in diesem Jahr gut 18 Milliarden Euro in seine Mobilfunk- und Festnetze weltweit investieren, wie er kürzlich zur Bilanzvorlage mitteilte. Davon seien 5,5 Milliarden Euro in Deutschland geplant. An der Börse hat die Telekom seit Beginn dieses Jahres knapp zehn Prozent an Wert gewonnen. Am Donnerstag notierte die T-Aktie zeitweise knapp ein Prozent im Minus.

© SZ vom 26.03.2021
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