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Deutsche Telekom:Das schnelle Netz kommt allmählich an

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Leuchtreklame für 5G: Bislang haben zwei Millionen Telekom-Kunden Tarife gebucht, mit denen sie den schnellen Mobilfunk nutzen können.

(Foto: David Young/dpa)

Der Konzern hat etwa ein Fünftel der Republik mit 5G-Mobilfunk versorgt.

Von Benedikt Müller-Arnold, Köln

Vor einem Jahr ersteigerten die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten Frequenzen, die im großen Stil für 5G geeignet sind. Nun kommt der neue Mobilfunkstandard in mehr und mehr Gemeinden hierzulande an: Im Telekom-Netz sei 5G mittlerweile auf Flächen verfügbar, auf denen insgesamt 16 Millionen Menschen leben. Das hat der Konzern nun mitgeteilt. "Und das nicht nur in den Städten", sagt Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner, "vor allem auch im ländlichen Bereich".

5G kann große Datenmengen mit sehr geringen Verzögerungen übertragen. Die Technik gilt als Grundlage für die Echtzeit-Kommunikation zwischen Robotern oder autonomen Fahrzeugen. Auch Spiele oder Videos funktionieren mit 5G schneller. Zwar sind bislang nur wenige Handys für 5G geeignet; das Angebot wächst freilich. Auch müssen Kunden teurere Tarife buchen, um den neuen Standard nutzen zu können. Die Telekom zählt derzeit zwei Millionen 5G-Kunden in Deutschland.

Für den Ausbau rüstet der Konzern vor allem bestehende Sendestationen auf, die bislang UMTS- (3G) oder LTE-Signale verbreiten. "Wir haben dafür 12 000 Antennen fit gemacht", sagt Walter Goldenits, Technikchef der Telekom in Deutschland. Der Konzern nutzt nicht nur die sehr kurzwelligen Frequenzen, die er voriges Jahr für Ballungszentren ersteigert hat - sondern auch Wellen, die bislang 3G vorbehalten waren. Die Telekom hat hierfür zusätzliche Funklizenzen vom Konkurrenten Telefónica ("O2") erworben. Die langwelligeren Frequenzen lassen zwar nicht jene Spitzengeschwindigkeiten zu, die mit den 2019 ersteigerten Wellen erreichbar sind. Dennoch können Kunden damit deutlich schneller surfen als etwa im 3G-Netz.

Bei der Aufrüstung stehen der Telekom allerdings Unwägbarkeiten ins Haus: Der Bund diskutiert darüber, ob er Technik des Lieferanten Huawei vom 5G-Netz ausschließen sollte oder nicht. Die USA unterstellen dem chinesischen Ausrüster ein Spionage- und Sabotagerisiko; Huawei selbst weist das zurück. Die Telekom hatte voriges Jahr entschieden, dass sie Technik chinesischer Lieferanten aus dem besonders sicherheitskritischen Kernnetz entfernen wird. Doch seien an den Antennen in der Fläche schon heute "hauptsächlich Komponenten von Ericsson und Huawei verbaut", sagt ein Sprecher. Wenn Deutschland nun Huawei-Technik von 5G ausschlösse, müsste der Konzern auch einige 4G-Stationen vorerst abbauen. "Deutschland würde damit massiv beim 5G-Ausbau zurückgeworfen", warnt der Sprecher, die Funkversorgung würde sich verschlechtern.

An der Börse notierte die T-Aktie am Mittwoch leicht im Plus bei gut 15 Euro - und damit etwa auf dem Niveau von Mitte Februar, bevor die Corona-Krise viele Aktienkurse einbrechen ließ.

© SZ vom 18.06.2020

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