Deutsche Post Erst Sturm, dann Streik

Post-Zusteller bei einer Protest-Kundgebung in Hamburg.

(Foto: Bodo Marks/dpa)

Bewegte Zeiten bei der Deutschen Post: Die Beförderung von Briefen und Paketen verzögert sich. Beschäftigte wehren sich gegen die Auslagerung von Stellen und legen die Arbeit zeitweise nieder.

Von Michael Kuntz

Die Kunden von Deutschlands größtem Logistikunternehmen erleben vor Ostern Verzögerungen bei der Beförderung von Briefen und Paketen. Erst tobte der Orkan "Niklas" über das Land und legte am Dienstag vielerorts den Postbetrieb lahm. Dann überzog am Mittwoch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Deutschland mit einer Welle von Warnstreiks bei der Deutschen Post DHL.

Nach Angaben von Verdi ließen bereits zur Frühschicht bundesweit mehr als 10 000 Zusteller ihre Arbeit ruhen. Allein in Bayern gingen demzufolge 1500 Postboten in den Warnstreik. In Berlin waren 500 Mitarbeiter zur Teilnahme am Arbeitskampf aufgerufen. Auch bei der Post und mehreren Postbank-Filialen in Niedersachsen kam es zu ganztägigen Warnstreiks. An etlichen Orten fanden Kundgebungen statt. Die Auslieferung von Postsendungen werde "massiv gestört", stellte ein Verdi-Sprecher fest.

Die Gewerkschaft kündigt weitere Arbeitsniederlegungen für diesen Donnerstag an. Das hätte dann Verzögerungen zur Folge, die Postkunden noch über die Ostertage zu spüren bekämen. Die Kampfmaßnahmen finden im Vorfeld von Verhandlungen statt, die am 14. April in Berlin fortgesetzt werden sollen.

Warum wird gestreikt? Verdi fordert für die 140 000 tariflich bezahlten Mitarbeiter der Deutschen Post bei vollem Lohnausgleich die Verkürzung der Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden pro Woche. Dabei geht es nicht nur um die Bezüge der Post-Belegschaft. Viele Beschäftigte protestieren gegen die Gründung von Regionalgesellschaften im hart umkämpften, zugleich aber durch den Boom der Bestellungen bei Internet-Versendern auch stark wachsenden Paketgeschäft. Die Gewerkschaft kritisiert einen Bruch von Vereinbarungen über die Fremdvergabe von Leistungen in der Zustellung, die bisher von Mitarbeitern der Post erbracht werden. Statt in den Tarifverhandlungen ein ernsthaftes Angebot zu unterbreiten bedrohe das Management die Mitarbeiter mit der Auslagerung von Arbeitsplätzen. "Das ist unerträglich und wir halten den Druck aufrecht", kündigt Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis an.

Druckpotenzial ist da. Die 100000 Zusteller haben gut zu tun, sie sind mit 30 000 Autos und 15 800 Fahrrädern unterwegs. Vor Weihnachten verteilen die Beschäftigten der Post sieben Millionen Pakete täglich, an einem durchschnittlichen Werktag sind es 3,4 Millionen Pakete und Päckchen. Von den 64 Millionen Briefen brauchen 94 Prozent nur einen Tag vom Absender bis zum Empfänger. Das dauert nun gerade länger.

Wie wehrt sich die Post? Die Folgen der Warnstreiks kann der Konzern abschwächen durch den Einsatz von Beamten, die bereits als Zusteller gearbeitet haben. Auch der Einsatz von Leiharbeitern beziehungsweise mehr Servicepartnern als im Normalbetrieb sei denkbar, heißt es dazu am Firmensitz in Bonn.

Wegen des Sturmes "Niklas" hatte die Bahn übrigens auch den Frachtzug für Pakete von München nach Hamburg ausfallen lassen müssen, den "Parcel Intercity".