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Deutsche Post:Der Roboter sortiert schon mal

Deutschland: Brieftraeger bringt die Post

Ein Briefträger in den Sechzigerjahren: Die Post hat sich vom Staatsunternehmen zum internationalen Logistikkonzern gewandelt.

(Foto: Oskar Poss/ullstein bild)

Die Post will stärker ins Digitale investieren. Doch die Strategie überzeugt nicht alle.

Es gibt ja heutzutage kaum noch Unternehmen, die zu einem größeren Termin laden, ohne den versammelten Gästen nicht zunächst ein Video zur Einstimmung vorzuspielen. Also legt auch die Deutsche Post am Dienstag einen alten Hit unter ihren neuen Imagefilm: "There ain't no mountain high enough", trällert es da aus den Lautsprechern, kein Berg sei zu hoch, kein Tal zu tief, kein Fluss zu breit - als dass der Postkonzern nicht doch dorthin liefern würde, so die Botschaft zwischen den Liedzeilen, wenn man ihn dafür bezahlt.

Mit diesem Selbstverständnis tritt Frank Appel an jenem Vormittag vor Investoren und Journalisten, um seine neue "Strategie 2025" zu enthüllen. Die Post stehe so gut da wie nie zuvor, tönt der Vorstandschef zwar, "wir müssen uns nicht neu erfinden". Allerdings sollen sich nun alle Konzerntöchter schneller digitalisieren als bisher: das klassische Brief- und Paketgeschäft genauso wie die internationale Logistik der Marke DHL.

Bis auf die Briefpost sind all diese Geschäfte in den vergangenen Jahren gewachsen, da immer mehr Waren durch die Lande geschickt werden. Und gerade der Onlinehandel werde auch in Zukunft zulegen, prognostiziert Appel. "Für uns ist das eine sehr gute Nachricht." Sein Konzern trägt nämlich nicht nur Pakete aus und nimmt Retouren wieder mit, er nimmt Händlern auf Wunsch auch die Lagerhaltung ab, verpackt und frankiert. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", sagt der 58-Jährige, der seit elf Jahren an der Konzernspitze steht.

Die Post verzichtet diesmal auf ein ambitioniertes Fünfjahresziel

Schon vor fünf Jahren hatte die Post unter Appels Führung eine "Strategie 2020" vorgestellt. Damals kündigte der Konzern an, dass er seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bis zum nächsten Jahr auf mindestens fünf Milliarden Euro steigern wolle. Zweck des Ganzen sei, dass "wir uns die Investitionen leisten können, die wir tätigen müssen", erklärte Finanzchefin Melanie Kreis zuletzt im SZ-Interview, um der Post und ihren 550 000 Beschäftigten weltweit eine langfristige Perspektive zu schaffen.

Umso auffälliger ist, dass der Konzern diesmal auf ein ähnlich ambitioniertes Fünfjahresziel verzichtet. "Wir sind natürlich auch nicht komplett immun gegen das, was um uns herum passiert", sagt Kreis nun: Die Logistik verändere sich rasant, Staaten brechen Handelskonflikte vom Zaun, die Schwankungen nähmen zu. Die Zeiten, in denen der Welthandel doppelt so schnell wuchs wie die allgemeine Wirtschaftsleistung, seien "wahrscheinlich vorbei", sagt Kreis.

Fortan wolle die Post jeweils Ziele für die nächsten drei Jahre verkünden - und diese jährlich aktualisieren. Bis 2022 etwa soll der Vorsteuergewinn weiter steigen, auf mindestens 5,3 Milliarden Euro. Diese Prognose fuße auf einer eher vorsichtigen Annahme, gesteht Kreis, "was die gesamtwirtschaftliche Situation anbelangt." Erst vorigen Monat hatte etwa der US-Logistikkonzern FedEx seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zusammengestrichen.

Die Autotochter Streetscooter soll bald nicht mehr alleine dem Konzern gehören

Die Post setzt derweil aufs Digitale: Zwei Milliarden Euro will der Konzern hier in den nächsten Jahren investieren, beispielsweise in modernere IT-Systeme sowie in Roboter, die Bestände in Lagerhäusern überwachen könnten. Algorithmen sollen künftig die Beladung von Flugzeugen auf Luftfrachtrouten genauer prognostizieren; Privatleute präziser wissen, wann das Paket zu Hause aufschlägt. Eine neue Technik soll Briefe nicht nur nach Hausnummern, sondern auch nach der Lage der Briefkästen an Hochhäusern vorsortieren, sagt Appel. Als Chemiker finde er das selbst "mega spannend", was seine Datenexperten da alles ausbrüteten.

Alle Sparten sollen sich künftig auf ihr jeweils profitables Kerngeschäft fokussieren, kündigt der Vorstand zudem an. Das bedeutet im Rückschluss, dass die Firma Streetscooter bald nicht mehr alleine dem Konzern gehören soll. Das Aachener Start-up stellt batteriebetriebene Kleinlaster her und hat schon 10 000 Stück an die Post verkauft. "Wir sind da auf der Suche nach der richtigen Konstellation", sagt Kreis. "Da können wir uns durchaus vorstellen, auch andere mit an Bord zu nehmen."

Einzig an der Börse kommt das alles nicht gut an: Dort verliert die Post am Dienstag zeitweise drei Prozent an Wert und ist damit lange Zeit der größte Verlierer im hierzulande wichtigsten Aktienindex Dax.

Dabei bestätigt der Konzern abermals die Fünf-Milliarden-Euro-Prognose für 2020 - und das, obwohl der Vorsteuergewinn für dieses Jahr höchstens bei 4,3 Milliarden Euro liegen soll. Den Ertragsdruck bekommen auch Kunden zu spüren: So hat die Post in diesem Sommer höhere Paketpreise für Geschäftskunden angekündigt und bereits im Juli das Briefporto erhöht. Der Konzern verweist freilich jeweils auch auf gestiegene Löhne und Transportkosten.