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Deutsche Paypal-Konkurrenz:Es wird ein bisschen später

Paketzustellung vor Weihnachten

Ein Mitarbeiter der Post-Tochter DHL liefert Pakete aus: Der Einkauf im Internet boomt - für die deutschen Banken ist das ein Problem.

(Foto: Stephanie Pilick/dpa)

Die deutschen Banken verlieren den Zugang zu den Kunden, weil diese Internet-Einkäufe über ausländische Anbieter wie Paypal zahlen. Jetzt rüsten die Institute zum Gegenangriff.

Von Harald Freiberger und Meike Schreiber, München/Frankfurt

Theodor Weimer, der Chef der Hypo-Vereinsbank, wollte seine Kollegen aufwecken: "Wir haben lange gebraucht, um alle zusammenzubringen, da sag' ich: Guten Morgen." Der Spruch fiel vor fast einem Jahr, und er bezog sich auf ein Projekt, das für die deutschen Kreditinstitute von zentraler Bedeutung ist. Gemeinsam bauen private und genossenschaftliche Banken sowie Sparkassen derzeit ein System auf, mit dem ihre Kunden direkt über das Girokonto Waren bezahlen können, die sie im Internet bestellt haben.

Weimers Weckruf ist immer noch aktuell, denn wie es aussieht, dauert alles deutlich länger als erhofft. In diesem Frühjahr traten die Sparkassen der neuen Gesellschaft bei, damit sind alle Banken mit im Boot. Auch einen Namen für das Zahlsystem gibt es, es heißt "Paydirekt". Noch im Weihnachtsgeschäft sollen Bundesbürger damit zahlen können. Als Starttermin wurde bisher der 8. November genannt. Doch bis das System bei allen Banken und Händlern läuft, wird es mindestens Frühjahr 2016 werden.

Die Verzögerung liegt an den Sparkassen. Sie müssen erst eine eigene Gesellschaft gründen, außerdem brauchen sie noch die Genehmigung der Finanzaufsicht Bafin für den neuen Zahlungsdienstleister. Allein das wird nach SZ-Informationen bis Oktober dauern, und dann muss noch jede einzelne Sparkasse das neue System einrichten - auch keine leichte Aufgabe, weil manche Institute selbst gestrickte Software haben. Bis Ende dieses Jahres wird Paydirect deshalb nur bei einigen Sparkassen laufen, heißt es beim Sparkassenverband. Bei den meisten Instituten werde es mindestens bis zum Frühjahr dauern. Da die Sparkassen etwa jedes zweite Girokonto der Republik führen, kann von einer breiten Markteinführung keine Rede sein.

An diesem Dienstag tritt Paydirect in Frankfurt erstmals an die Öffentlichkeit. Die zentrale Botschaft dürfte sein, dass es keinen festen Starttermin gibt. Man habe auch nie etwas anderes mitgeteilt, heißt es in Finanzkreisen. Doch die Wahrnehmung war eine andere, weil aus einzelnen Banken wiederholt Termine genannt wurden. Vor allem private und genossenschaftliche Institute wollten auf diese Weise Druck machen, da ihnen die Sparkassen zu zögerlich waren. Einige Genossenschaftsbanken, zum Beispiel die Volksbank Starnberg-Herrsching-Landsberg, werben schon selbstbewusst auf ihren Internetseiten für das Angebot, das es noch gar nicht gibt. "Mit einem Klick zum Shopping-Glück", heißt es da.

Dabei ist es ist höchste Eisenbahn für die Banken. Der E-Commerce-Markt wächst seit Jahren, und die Institute wollen endlich den smarten Technologiefirmen Paroli bieten, die sich dort längst breit gemacht haben. Tatsächlich ist der wichtigste Konkurrent auf diesem Gebiet schon jetzt deutlich größer: Nicht von ungefähr ist der Börsenwert des US-Bezahlanbieters Paypal inzwischen sogar mehr wert als das Dax-Schwergewicht Deutsche Bank. Paypal, eine Tochter des Internet-Versteigerers Ebay, ist schon seit zehn Jahren auf dem Markt und kommt bei Online-Einkäufen in Deutschland bereits auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

Der Einzelhandel ist nicht glücklich über den schleichenden Start

Paydirekt startete am Montag den ersten Pilotversuch: Die Hypo-Vereinsbank testet mit dem Internet-Möbelhändler D-Living erste Bezahlungen. Dem Vernehmen nach verliefen die Tests positiv. Nach und nach sollen in den nächsten Wochen weitere Online-Händler dazukommen. Bis Bankkunden über das System zahlen können, wird es aber noch Wochen dauern.

Der Einzelhandel ist nicht glücklich über die Verzögerungen. "Wir hätten uns einen großflächigen Start mit möglichst allen Banken gewünscht", sagt ein Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels. Es nütze wenig, wenn man auf den Markt komme, ohne dass es eine breite Akzeptanz gebe. Gleichwohl werde der zunehmende Wettbewerb vom Handel positiv wahrgenommen. Vor allem hoffen die Händler, dass das neue System billiger wird als Paypal, wo in der Regel 1,9 Prozent des Einkaufswerts als Gebühr fällig sind.

"Gegenüber Händlern hat Paydirekt den Vorteil, dass es günstiger sein wird", sagt Jochen Siegert, Ex-Paypal-Manager und heute Vorstand bei Traxpay, einem Bezahldienstleister für Unternehmen. Paypal kalkuliere generell mit höheren Ausfällen und sei deshalb für Händler teurer. Bei Paydirect wird dagegen über das Girokonto sofort die Bonität des Kunden geprüft. Ob das aber ausreicht, daran zweifeln die Experten. "Paydirekt ist fast identisch mit dem früheren Paypal", sagt Siegert. Aber Paypal sei heute einen Schritt weiter: Ein neues Verfahren etwa erkenne automatisch, ob ein Kunde am eigenen Rechner sitzt; er müsse kein Passwort mehr eingeben, das sei sehr kundenfreundlich.

© SZ vom 18.08.2015
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