Sicherheits-Check Warum es bei Flughafen-Kontrollen zu so vielen Pannen kommt

  • Nach München und Frankfurt legte eine mögliche Sicherheitspanne auch den Bremer Flughafen lahm.
  • Die Sicherheits-Checks - in Deutschland Aufgabe des Staates - gelten an vielen Flughäfen als Problem.
  • Meist führen private Dienstleister die Checks durch: Die etwa 17 000 Luftsicherheitsassistenten arbeiten häufig unter großem Stress und hohem zeitlichen Druck.
Von Caspar Busse, Jens Flottau, Ekaterina Kel und Benedikt Müller

An diesem Mittwoch also Bremen: Der Flughafen in der Hansestadt wurde von der Bundespolizei für zwei Stunden komplett gesperrt. Der Grund: Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sich Unbefugte im Sicherheitsbereich hinter den Personenkontrollen aufhalten. Am Dienstag hatte bereits eine Panne am Flughafen Frankfurt für ein Chaos gesorgt. Ende Juli musste das Terminal 2 in München geräumt werden: 31 000 Passagiere waren beim Start in die Ferien betroffen, 330 Flüge wurden abgesagt.

Endlose Schlangen, enorme Wartezeiten, Sicherheitspannen, überforderte Mitarbeiter - an vielen Flughäfen in Deutschland herrscht in diesem Sommer Ausnahmezustand. Dazu kommt: Flüge fallen aus, andere sind teilweise stark verspätet, der Luftraum ist überfüllt - Chaos am Himmel und am Boden, zum Leidwesen der Passagiere. Kein Wunder, denn die Flughäfen werden dem Andrang oft kaum noch gerecht. In Frankfurt beispielsweise, schon jetzt überlastet, wird nun für 2018 mit 69 Millionen Passagieren gerechnet, sieben Prozent mehr als 2017. Hauptkunde Lufthansa hat sich bereits häufiger über Staus und langwierige Prozesse beschwert. Die beiden in die Jahre gekommenen Terminals befinden sich an der Kapazitätsgrenze. Eurocontrol, die europäische Flugsicherung, warnt, dass es in Zukunft zu noch größeren Problemen kommen wird, da der Ausbau der Airports mit dem Wachstum des Verkehrs nicht Schritt hält.

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Ein großes Problem sind die Sicherheitschecks: Es geht zum einen um die Qualität der Kontrollen, zum anderen um die Effizienz der Verfahren. Fluggesellschaften und Flughäfen fordern seit Langem, dass der Staat nur noch die Oberaufsicht über die Kontrollen behält und die Flughäfen weitergehende Freiheiten bekommen, wie sie die Checks organisieren. In den meisten anderen europäischen Ländern ist dies bereits der Fall, die Ergebnisse werden gelobt, weil die Kontrollen oft schneller seien, ohne eine Gefährdung der Sicherheit. "Die Effizienz bei der Abwicklung der Luftsicherheitskontrollen muss verbessert werden", fordert der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Die Kontrolle der Fluggäste ist hierzulande eine hoheitliche Aufgabe des Staates, der sich diese bezahlen lässt. Die Luftsicherheitsgebühr pro Passagier etwa in Frankfurt beträgt neun Euro, die zuständige Bundespolizei stellt diese den Airlines in Rechnung, die diese an die Passagiere durchreicht. Die Bundespolizei wiederum kontrolliert nicht selbst, sondern beauftragt seit den Neunzigerjahren auch private Sicherheitsdienstleister. Unternehmen wie Frasec, Kötter oder Securitas beschäftigen heute gut 17 000 Luftsicherheitsassistenten bundesweit. Die Anbieter konkurrieren um die Dienstleistungsverträge, die stets über mehrere Jahre laufen. Der Wettbewerb der Sicherheitsfirmen soll Kosten sparen, führt aber auch zu hohem Druck auf die Mitarbeiter - und zu Fehlern.

Es gibt verschiedene Modelle. In München ist die SGM Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München mbH zuständig, die dem Freistaat Bayern gehört. Die Regierung von Oberbayern hat die SGM beauftragt, die Mitarbeiter sind deshalb mit hoheitlichen Aufgaben, also mit Sicherheitskontrollen von Personen und Gepäck "beliehen". Die Bundespolizei ist in München nur noch für die Gefahrenabwehr zuständig. In Frankfurt dagegen arbeiten drei private Firmen parallel: Die I-Sec und die Frasec, ein Tochterunternehmen des börsennotierten Flughafenbetreibers Fraport, sowie Fraport selbst. Hier kontrolliert die Bundespolizei die Arbeit, sie ist zuständig für die Ausbildung des Personals und die Qualität der Sicherheit. In Düsseldorf wiederum arbeitet seit 2004 der private Dienstleister Kötter, der auch an anderen Flughäfen Passagiere und Gepäck kontrolliert. Die Firma geriet zuletzt in die Kritik, weil sie nicht genügend Personal zur Verfügung hatte. Die Bundespolizei hatte Kötter dann vor gut einem Monat abgemahnt. Alleine in Düsseldorf wurden nun 185 zusätzliche Kräfte eingestellt.

"Maximale Ersparnis und maximale Sicherheit - das ist ein Widerspruch"

Sicherheitsmitarbeiter werden etwa drei Monate ausgebildet und müssen eine Prüfung bestehen. "Das ist zu wenig", sagt Andrea Becker von Verdi, die Arbeitnehmer im Bereich Luftsicherheit vertritt. "Sie haben die verantwortungsvolle Aufgabe, die Menschen vor Terroranschlägen zu schützen, und sollten deswegen umfassender geschult werden." Der Job ist durchaus stressig: Wenn die Angestellten auch nur einen Fehler machen, kann das Folgen wie in Frankfurt und München haben, aber auch für die Sicherheit im Flugverkehr und für ihre eigene berufliche Existenz. Betroffene Mitarbeiter in München und Frankfurt wurden nach den Vorfällen freigestellt.

Viele berichten außerdem von starkem zeitlichen Druck, der mit den Passagierzahlen steigt. "Verbale Aggressionen sind da an der Tagesordnung, manche werden sogar angespuckt", sagt Becker. Besonders dort, wo private Unternehmen, die Gewinn machen wollen, beauftragt sind, würden die Beschäftigten am meisten leiden, denn an den Personalkosten werde immer als Erstes gespart. "Maximale Ersparnis und maximale Sicherheit - das ist ein Widerspruch", so Becker. Das Bundesinnenministerium müsse als oberste Instanz "tätig werden" und Firmen wie Kötter kündigen.

Derzeit wird aber auch an einer Verbesserung der Abläufe gearbeitet. Die Bundespolizei hat gemeinsam mit den Flughäfen in Köln/Bonn, Hamburg und Berlin-Schönefeld Versuche gemacht, bei denen unter anderem neue Geräte eingesetzt oder die Passagierströme anders gesteuert wurden. Hier zeigte sich, dass selbst kleine Änderungen die Kontrollen deutlich beschleunigen können. Doch noch hat sich im Alltagsbetrieb nichts geändert. Es laufen Gespräche zwischen Industrie und Bundesinnenministerium, um das System zu reformieren - angeblich sind diese vielversprechend. Angesichts der langen Vorlaufzeiten dürfte das aber noch dauern.

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