Deutsche Firmen in Ägypten Nichts geht mehr

Die Ausschreitungen in Ägypten treffen auch deutsche Konzerne wie Thyssen-Krupp und BASF: Sie schließen Büros und Fabriken in dem Land. Dort öffnete am Sonntag zwar wieder die Börse, doch solange das Blutvergießen anhält, kommt kein Investor.

Von Markus Balser und Kirsten Bialdiga

Die schweren Unruhen in Ägypten treffen nicht nur deutsche Reiseveranstalter - auch Industrieunternehmen leiden unter den Folgen. Die Zentralen der Konzerne in Deutschland sorgen sich um die Mitarbeiter ihrer Repräsentanzen. Sie schließen Büros, viele raten den Beschäftigten, ihr Haus nicht zu verlassen.

Die deutsch-arabische Industrie- und Handelskammer hat ihre Büros in Kairo und Alexandria dicht gemacht. Ägypten droht nach Einschätzung von Experten ein wirtschaftlicher Rückschlag durch die Unruhen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet vor allem bei anhaltender Instabilität Konsequenzen. "Die deutschen Unternehmen werfen derzeit nicht das Handtuch", sagt DIHK-Außenhandelsexperte Felix Neugart. Es gebe bisher keine Pläne für einen kompletten Rückzug.

Ägypten zählt zu den wichtigsten Handelspartnern deutscher Firmen im arabischen Raum. Deutschland exportiert jährlich Güter im Wert von 2,4 Milliarden Euro nach Ägypten. Hinter Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das Land damit der drittwichtigste Abnehmer deutscher Produkte in der Region. Etwa 80 deutsche Unternehmen sind mit Vertriebs- und Produktionsstandorten in Ägypten vertreten und beschäftigten dort rund 24.000 Mitarbeiter.

Es sei derzeit so gut wie unmöglich, noch Geschäfte im Krisenland zu machen, sagt DIHK-Mann Neugart. Es gebe keine Staatsaufträge, weil Behörden nicht entscheidungsfähig seien. Lizenz- und Genehmigungsverfahren lägen auf Eis. Vor allem aber würden dringend benötigte Investoren abgeschreckt. Zu den großen deutschen Investoren zählt etwa der Öl- und Gasförderer RWE Dea.

Man beobachte die Lage genau, sagte ein Sprecher. "Wir sind vorbereitet, falls es notwendig wird, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen." Konzerne, die in Ägypten vertreten sind, stellen ihren Mitarbeitern zurzeit in vielen Fällen frei, ob sie ihren Arbeitsplatz aufsuchen oder zu Hause bleiben wollen. Beim Markenartikelkonzern Henkel galt dies nach Angaben eines Sprechers am Freitag allerdings bisher nur für die Beschäftigten in Kairo. Eine Waschmittelproduktion im entfernter gelegenen Port Said hält der Düsseldorfer Konzern bisher noch aufrecht. Insgesamt beschäftigt Henkel in Ägypten 800 Mitarbeiter.