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Deutsche Bank:"Wir wissen, dass Sie enttäuscht sind"

Hauptversammlung Deutsche Bank

Hauptversammlung der Deutschen Bank: Co-Vorstandsvorsitzender Anshu Jain in Frankfurt am Main

(Foto: dpa)
  • Die Kritik an der Deutschen Bank ist groß - auch bei der eigenen Aktionärsversammlung.
  • Noch in der Nacht hat die Deutsche Bank ihren Vorstand umgebaut, um die Führungsspitze zu schützen.
  • Einflussreiche Aktionärsberater empfehlen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Eine abgelehnte Entlastung kommt einen Vertrauensentzug gleich und wäre ein Novum bei der Deutschen Bank.

Was bleibt Aufsichtsratschef Paul Achleitner jetzt anderes übrig, als Asche auf sein Haupt zu streuen? Lässt sich die Lage der Deutschen Bank - mieser Aktienkurs, Reputation kaputt, tägliche Kritik von Aktionären - doch nicht mehr durch Imagefilme übertünchen, die zu Beginn der Veranstaltung zu schmissiger Musik über eine Leinwand in der sorgfältig ausgeleuchteten Festhalle laufen. "Keine Frage: Das öffentliche Bild der Deutschen Bank ist heute stark angeschlagen" - mit diesen Worten eröffnet Achleitner an diesem Donnerstag die Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt. Die rund 9000 Aktionäre auf den Rängen sollen merken: Der Oberaufseher hat verstanden. Niemand könne mit dem äußeren Bild der Bank und mit ihrem Aktienkurs zufrieden sein. Positives sei von einer Vielzahl von Rechtsfällen in den Schatten gestellt worden. Es sei Aufgabe der Bank, "die unrühmliche Vergangenheit konsequent aufzuarbeiten". Aber: "Letztlich sind wir kein Scherbengericht."

Seit die Deutsche Bank vor vier Wochen eine neue Strategie beschloss - in erster Linie den Verkauf der Postbank - vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einflussreiche Aktionäre oder Stimmrechtsberater mit Kritik an der Bank zu Wort meldeten. Scharmützel wie in den vergangenen Jahren, als einmal Blockupy-Aktivisten die Rede von Co-Chef Anshu Jain störten oder die Truppen von Medienmogul Leo Kirch die Veranstaltung des größten deutschen Kreditinstituts in die Länge zogen, wären für Anshu Jain und Co-Chef Jürgen Fitschen an diesem Tag wohl fast willkommen.

"Wer den Vorstand entlastet, dem ist nicht zu helfen"

Statt dem dümpelnden Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen, fiel dieser nach Bekanntgabe der Strategie tagelang - der Börsenwert der Deutschen Bank löste sich um weitere 3,5 Milliarden Euro auf. Viele Aktionäre hatten sich einen größeren Wurf, zum Beispiel die Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts erhofft, kritisierten die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten und die Verfehlung der gerade erst vor drei Jahren ausgerufenen Strategie.

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Zahlreiche einflussreiche Aktionärsberater hatten daher im Vorfeld der Veranstaltung empfohlen, dem Vorstand und teilweise auch Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern - ein Novum in der Geschichte der Bank. "Wer den Vorstand entlastet, dem ist nicht zu helfen", sagt am Donnerstagmorgen auch eine Kleinaktionärin in der Festhalle. Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann ruft Jain und Fitschen zu: "Ich möchte das T im Wort ,entlasten' durch ein S ersetzen und Sie entlassen." Und Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fragt: "Herr Jain, sind Sie die Lösung der Bank oder das Problem - oder beides?"

Jains' letzte Chance

Als eine Art Befreiungsschlag hatte sich die die Bankführung noch in der Nacht zum Donnerstag zu einem hektischen Vorstandsumbau durchgerungen, um die Führungsspitze zu schützen. So wird zum Beispiel Rechtsvorstand Christian Sewing das Privatkundengeschäft von Rainer Neske übernehmen, der die Bank verlässt, weil er die Strategie nicht unterstützte. Strategie- und Finanzvorstand Stefan Krause übernimmt die Verantwortung für den Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung sowie die konzerninterne Bad-Bank. Seinen bisherigen Vorstandsposten für Strategie übernimmt zusätzlich Jain. Vor allem die Bedeutung von Jain strich der Aufsichtsrat damit heraus: Weil er nunmehr verantwortlich ist für die Umsetzung der neuen Strategie, heißt das aber auch: Jain wird daran gemessen werden, es ist seine letzte Chance

Trotz aller Kritik stärkt Achleitner dem Führungsduo auf der Hauptversammlung daher nun erneut deutlich den Rücken. "Alle berechtigte und unberechtigte Kritik darf nicht davon ablenken, mit welchem Engagement und auch Frustrationstoleranz sich die Vorstandsmitglieder einbringen", sagt Achleitner. Dafür gebühre ihnen und ihren Familien Dank. Es gibt dünnen Applaus.