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Deutsche Bank:Wenn sich Interessen in die Quere kommen

Jürg Zeltner ist Vorstand einer Luxemburger Bank und nun Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Dies sorgt für Ärger.

(Foto: oh)

Die Finanzaufsicht hat Bedenken wegen eines neuen Aufsichtsratsmitglieds.

Berufen Banken neue Vorstände oder Aufsichtsräte, dann stimmen sie dies in der Regel eng mit der Finanzaufsicht ab - und zwar bevor sie die Personalie veröffentlichen. Äußern die Aufseher Bedenken, können die Institute die Personalentscheidung diskret zurückziehen. Auch die Deutsche Bank hält sich normalerweise penibel daran; sie hat bereits Erfahrungen damit gemacht, dass die Aufsicht Personalentscheidungen im Nachhinein einkassiert. Anders lief es aber offenbar bei Jürg Zeltner, früher Vorstand der Schweizer Bank UBS und heute Vorstandschef sowie Anteilseigner des Luxemburger Geldhauses KBL European Private Bankers.

Zeltner ist zwar seit wenigen Wochen ordentliches Mitglied des Aufsichtsrats - dem Vernehmen nach informierte die Bank die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank aber nur "zwischen Tür und Angel" über den neuen Kontrolleur. Das erregte dort nicht nur Unmut. Mehr noch: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben die Aufseher tatsächlich Bedenken wegen möglicher Interessenkonflikte. Das Problem: Die Bank KBL betreut vermögende Privatkunden, ist also im gleichen Geschäft tätig wie die Deutsche Bank. Zeltner ist ja zudem an der KBL beteiligt. Zwar könnte der Schweizer Interessenkonflikte umgehen, indem er sein Amt dort aufgibt, das hatte er zuletzt aber ausgeschlossen. Auch könnte er sich bei bestimmten Entscheidungen im Gremium enthalten und den Raum zu verlassen. Das dürfte aber schwierig werden, wenn sich der Interessenkonflikt aus dem allgemeinen Bankgeschäft ableitet.

Die Sache ist auch insofern heikel, als dass Zeltner auf Wunsch der Deutsche-Bank-Großaktionäre aus Katar in den Aufsichtsrat eingezogen ist. Die Beziehung zwischen der Bank und dem Großaktionär ist ohnehin angespannt, weil die Kataris mit der Leistung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner unzufrieden sein sollen. Hat die Bank daher absichtlich zu nachlässig über den neuen Aufsichtsrat informiert, um ihn indirekt zu verhindern? Das wird in Bankkreisen zurückgewiesen. Der EZB gegenüber seien die potenziellen Interessenkonflikte sowie deren Handhabung angezeigt worden, sagte ein Sprecher. Auch seien alle potenziellen Interessenkonflikte dem Aufsichtsrat und der Gesellschaft angezeigt worden. Sie seien vom Nominierungsausschuss des Aufsichtsrates geprüft und als gering eingeschätzt worden.

Der Aktienkurs der Bank brach am Freitagmorgen zunächst ein, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters über möglichen neuen Ärger der Bank mit dem US-Kongress berichtet hatte. Dabei soll es um den Verdacht neuer Geldwäscheverstöße mit Blick auf das Russland-Geschäft gehen. Die Papiere notierten zum Börsenschluss leicht im Plus.