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Deutsche Bank und Kirch-Erben wollen sich einigen:Ran an Ackermanns Millionen

Der Deutsche-Bank-Chef will sich mit den Erben von Leo Kirch einigen. Doch was passiert mit dem Geld von Josef Ackermanns Geldhaus? Eine ganze Menge Leute haben es darauf abgesehen - etwa Kirchs Mitstreiter Dieter Hahn und die großen Hollywood-Studios.

Hans-Jürgen Jakobs und Klaus Ott

"Schade, dass Leo Kirch das nicht mehr erlebt", seufzt am Dienstag einer, der früher in Deutschlands Wirtschaft viel zu sagen hatte. Und der öfters mit dem im Juli 2011 verstorbenen Medienhändler zu tun hatte. Der ihm gern geholfen hat, bis zuletzt. Dass die Deutsche Bank nun offenbar bereit ist, 800 Millionen Euro Schadenersatz zu zahlen, das wäre für Kirch eine "große Genugtuung" gewesen, sagt sein alter Bekannter. So aber komme die Botschaft, dass der Medienunternehmer bei seinen Geschäften nicht nur "Lotterie gespielt" habe, sondern dass ihm auch "übel mitgespielt" worden sei, einige Monate zu spät.

Am Wochenende sollen Emissäre der streitenden Parteien eine Grundsatzeinigung erzielt haben. Sie hat für Deutsche-Bank-Chef Josef ("Joe") Ackermann den Vorteil, dass viele lästige Prozesse mit der Zahlung des Geldes beendet wäre. Mit dabei war Finanz-Investor Clemens Vedder von Goldsmith Capital. Er kennt den Kirch-Freund Helmut Kohl ebenso gut wie Jürgen Fitschen, den künftigen Co-Chef der Deutschen Bank. Beide sind oft auf Sylt zugange.

Die 800 Millionen Euro dürften viele Begehrlichkeiten auslösen. Die eine Hälfte geht an die Kirch-Seite. Der Medienhändler hatte bei seinem Tod den Rechtsanspruch seiner Frau Ruth und seinem Sohn Thomas hinterlassen - nebst diversen Firmen und Beteiligungen, mit denen er nach der Pleite im April 2002 zurück im Geschäft war. Zuletzt war spekuliert worden, Kirchs engster Vertrauter Dieter Hahn wolle sich erneut um die Fernseh- und Internetrechte der Fußball-Bundesliga bemühen, nachdem das vor wenigen Jahren noch gescheitert war.

Die andere Hälfte der 800 Millionen fließt an die Gläubiger des Medienunternehmers - vor allem an jene, die mit der untergegangenen Kirch Media verbunden gewesen waren. Die Firma war das Herzstück von Deutschlands einst größtem Film- und Fernsehkonzern, mit Sendern wie Sat 1 und Pro Sieben, einer riesigen Bibliothek von TV-Serien und Kinowerken sowie Sportrechten. Forderungen der Gläubiger in Höhe von vier Milliarden Euro hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé anerkannt, ausbezahlt hat er bisher rund 650 Millionen Euro. An Filmstudios aus Hollywood, an Kirchs Hausbanken (BayernLB, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und andere), auch an die Fußball-Bundesliga. Nun kommt ein Nachschlag von 400 Millionen hinzu. Wie das verteilt wird, das wird am Ende im Gläubigerausschuss besprochen.

Die Hollywood-Studios haben sich in den neunziger Jahren, als in Output-Deals umfangreich auf viele Jahre Filme an Kirch verkauft wurden, in 800-Seiten-Verträgen alles mögliche garantieren lassen. Auch der Zugriff auf Überbleibsel nach einer Insolvenz ist geregelt. Im Gläubigerausschuss sind auch die alten Hausbanken der Kirch Media vertreten, allesamt Konkurrenten der Deutschen Bank. Sie bestimmen nun mit, was mit Ackermanns Gabe geschieht.

Eine Reihe von erbitterten Prozesse

Unterm Strich aber bleibt für die Kreditinstitute ein Minus, ebenso wie jetzt für die Deutsche Bank. Die hat damals, bei der Pleite des Medienhändlers, einen Großkredit gerettet. Jetzt zahlt die Deutsche Bank darauf, finanziell und auch im Ansehen. Es wirkte allzu trickreich, dass Ex- Bankchef Rolf Breuer zuerst im TV-Interview abschätzig über Kirchs Überlebenschancen plauderte und dann dem Medienhändler anbot, die Deutsche Bank könne sein "Schutzschild" sein.

Kirch wehrte sich und klagte, was zu erbitterten Prozessen führte und schließlich zu Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen Breuer, dessen Nachfolger Josef Ackermann und weitere Beschuldigte. Die Deutsche Bank wurde gefilzt. Im Durchsuchungsbeschluss stand der Hinweis, bei einer zeitnahen Razzia sei die Wahrscheinlichkeit, dass man Beweismittel finden, erheblich größer als bei Zuwarten.

In der Zentrale der Deutschen Bank waren Ackermann und andere Angestellte wütend: Hier werde vorgegangen wir gegen eine kriminelle Vereinigung. Mancher unterstellte der Münchner Justiz, mit Kirch und dessen Anwalt Peter Gauweiler gemeinsame Sache zu machen. Nun hat Gauweiler viel erreicht, doch Kirch erlebt das nicht mehr. Er hat seine letzte große, noch "offene Frage" mit ins Grab genommen, sagt ein Weggefährte - wie viel er von der Bank bekommt.

© SZ vom 14.02.2012/jab

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