Deutsche Bank sagt Führungstreffen ab Ackermanns E-Mail-Ohrfeige

Es klingt erst wie eine harmlose Nachricht: Ackermann verschiebt ein Treffen mit den Spitzenmanagern der Deutschen Bank auf die Zeit, wenn er weg ist. Doch ein Satz in Ackermanns E-Mail klingt wie eine derbe Schelte - gerichtet an seine Nachfolger.

Von Harald Freiberger und Alexander Hagelüken

Montreux ist ein Ort für erhabene Momente. Die Schweizer Stadt liegt nicht nur am Genfer See, sie wird auch von massiven Bergen umrankt. Diesen Sommer werden Bands wie Radiohead oder Pat Metheny das traditionsreiche Jazz Festival adeln.

Der Neue und der Alte: Anshu Jain (links) wird Josef Ackermann im Juni als Chef der Deutschen Bank ablösen.

(Foto: Reuters)

Auch bei der Deutschen Bank war alles so schön vorbereitet für ein großes Ereignis: Akribisch planten sie ein Treffen für den 11. April, bei dem sich das designierte Vorstandsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen 200 Top-Führungskräften präsentieren wollte. Doch nur drei Wochen vorher sagt der noch amtierende Chef Josef Ackermann die lang geplante Veranstaltung einfach ab - und schon blühen die Spekulationen wie sonst nur die subtropische Vegetation an der Promenade von Montreux.

Fünf Tage ist es erst her, dass letztmals die Emotionen hochkochten zwischen Vorzeigebanker Ackermann und den neuen Chefs, die der alte Machthaber verhindern wollte. Vergangenen Freitag beschloss der Aufsichtsrat das umstrittene neue Personaltableau, das für Ackermann-Getreue zu sehr die Gewichte in Richtung riskantes Investmentbank verschiebt - was Jain und Fitschen bestreiten. Ursprünglich war gedacht, dass die Neuen in Montreux ihre Strategie präsentieren, was einige Zweifel geklärt hätte.

Ackermann begründete die Absage in einer E-Mail an die Führungskräfte, die der SZ vorliegt: Er glaube, dass die Konferenz "den größtmöglichen Nutzen bringt, wenn sie erst stattfindet, nachdem das neue Führungsteam seine Funktion übernommen hat", also ab Juni.

Beobachter werten die E-Mail als Ohrfeige Ackermanns für die Nachfolger

Soweit wäre der Vorgang nicht außergewöhnlich. Es mache keinen Sinn, das Treffen mit der alten Führungsmannschaft zu veranstalten, hieß es am Mittwoch in der Bank. Allerdings wurde die Konferenz schon einmal verschoben, nämlich im vergangenen Herbst. Schon damals war klar, dass Jain und Fitschen am 1. Juni 2012 übernehmen, im April also noch die alte Mannschaft im Amt sein wird. Und als Ackermann einst begann, gab es offenbar kein Problem, ein Führungstreffen kurz vor dem Stabwechsel zu veranstalten.

Deshalb sehen einige Beobachter die Absage in Zusammenhang mit den jüngsten Turbulenzen. Dass sich der neue starke Mann Jain im Vorstand und im erweiterten Vorstand mit Vertrauten umgibt und Weggefährten Ackermanns wie Risikochef Hugo Bänziger und Personalchef Hermann-Josef Lamberti gehen müssen, vertiefte den Graben zu den Traditionalisten um den Noch-Chef. Pikant ist deshalb, wie die E-Mail Ackermanns an die 200 Führungskräfte weitergeht: Die Veranstaltung bringe dann den größtmöglichen Nutzen, wenn das neue Führungsteam "in der Lage ist, künftige Strategie und Struktur der Bank in hinreichender Detaillierung zu diskutieren".

Manche werten das als erneute Ohrfeige Ackermanns für die Nachfolger, weil sie nicht öffentlich festlegten, in welche Richtung die größte deutsche Bank künftig marschieren solle - und womöglich ihre Rückkehr zum Turbo-Investmentbanking versteckten. So sei es seltsam, sich schon mal publikumswirksam Personen auszusuchen, aber keine Strategie. "Nach der reinen Managementlehre macht man es umgekehrt, man legt die Marschrichtung fest und schaut dann, welche Personen dafür am besten passen", sagt einer in der Bank.

Pikant ist schließlich auch, dass dem Schweizer Ackermann im schweizerischen Montreux ein großer Abschied vor dem erweiterten Führungskreis bereitet werden sollte, mit Danksagungen und allem, was dazugehört. Ein Abschied, den der Mann, der zehn Jahre lang die Bank prägte, offensichtlich nicht mehr haben will.

Ruhe wird bei der Deutschen Bank wohl erst nach dem endgültigen Führungswechsel am 1. Juni einkehren. Wenn überhaupt.