Deutsche-Bank-Prozess:Die Deutschbanker halten sich vor Gericht erkennbar zurück

Auch Josef Ackermann verzichtet jetzt vor Gericht darauf, aus seiner staatsanwaltschaftlichen Vernehmung vom Januar 2014 einige für Breuer unangenehme Passagen zu wiederholen. Den Ermittlern hatte Ackermann gesagt, er und Breuer hätten ein "ziemlich distanziertes, wenn auch korrektes Verhältnis" gehabt. Damals, als es um den Fall Kirch ging.

Bei den Ermittlern erzählte Ackermann auch, er habe in der Bank bestimmte Informationen in der Causa Kirch erst gar nicht bekommen. Er glaube, er sei bei dieser Sache einfach außen vor gewesen. Offenbar habe es zu diesem Zeitpunkt, Anfang 2002, eine "Media-Gruppe um Breuer" gegeben, die mit dem damaligen Bankchef über Kirch diskutiert habe. Wahrscheinlich habe dies intern der "Geheimhaltung" unterlegen.

Auch Ackermann hält nun, bei Gericht, zu Breuer. Dass die Deutsche Bank mit Breuers TV-Interview den Kunden Kirch angeblich unter Druck setzen wollte, um von ihm dann einen Auftrag zum Verkauf von Teilen seines Film- und Fernsehimperiums zu erhalten und daran verdienen zu können, das sei unsinnig und widersinnig. Ackermann sagt, er habe in seinen 40 Jahren im Bankgeschäft noch nie erlebt, "dass ein Kunde schlechtgeredet wird, um ein Mandat zu bekommen".

Einer tanzt aus der Reihe

Dass Ackermann und Börsig nicht mehr von ihrem alten Kollegen Breuer abrücken, sondern nun eher den Schulterschluss proben, ist leicht zu erklären. Hat Breuer mit seinem TV-Interview keinen Fehler gemacht, hat es trotz der Millionenzahlung der Bank an die Kirch-Seite eigentlich gar keinen Schadensersatzanspruch gegeben, dann kann auch kein versuchter Prozessbetrug vorlegen haben. Alles wäre gut für alle Angeklagten.

Nur einer tanzt weiterhin etwas aus der Reihe. Ex-Personalvorstand Tessen von Heydebreck, ein Banker der alten Schule, dem das Vertrauen der Kunden wichtiger war als schnell verdientes Geld mit dem Fusionieren und Filetieren von Unternehmen. In dem zunehmend vom Investmentbanking geprägten Geldinstitut galt Heydebreck eher als Außenseiter.

Den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch weist der Ex-Vorstand genauso vehement zurück wie seine einstigen Kollegen. Aber er macht auch deutlich, was er von Breuers damaligem Umgang mit Kirch hält. Breuer hatte im Januar 2002 eine Einladung von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einem Essen angenommen, bei dem der seinerzeitige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und einer der Chefs der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) mit am Tisch saßen. Beides Konkurrenten von Kirch, um den es bei dem Essen ging.

Für Heydebreck ein Unding. "Ich hielt es nicht für richtig, mit Dritten ein Gespräch über einen Kreditkunden zu führen, auch nicht mit dem Bundeskanzler." Zu Breuers TV-Interview über Kirch hat Heydebreck ebenfalls eine klare Meinung. Ihm sei sofort bewusst gewesen, dass das problematisch sei. "So spricht man nicht über Kunden."

Heydebreck ist auch der Einzige, der vor Gericht erklärt, er habe sich vor seiner Aussage bei der Justiz im Schadensersatzstreit mit Kirch "dummerweise" auf ein Vorbereitungsgespräch mit Bank-Juristen eingelassen.

Den Vorwurf, er habe die Justiz täuschen wollen, weist aber auch Heydebreck zurück. Die These, man habe Kirch mit Breuers TV-Interview öffentlich unter Druck setzen wollen, um mit ihm dann Geschäfte machen zu können, sei "bar jeder kaufmännischen Lebenserfahrung".

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