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Konzernumbau:Einmal Wall Street und zurück

Die Deutsche Bank in Frankfurt: Einst die größte Bank der Welt, inzwischen aber ist die Konkurrenz davongezogen.

(Foto: Michael Probst/AP)
  • Die Geschichte der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren ist ein Desaster. Vor der Finanzkrise kostete die Aktie etwa 100 Euro, mittlerweile weniger als sieben Euro.
  • Die Bank soll nun kleiner werden: In den kommenden Jahren sollen 15 000 bis 20 000 Jobs abgebaut werden.
  • Das Institut will nach SZ-Informationen die Investmentbank zerschlagen. Das Geschäft mit Unternehmenskunden soll in einer neuen Sparte gebündelt werden.

Zur Zeit des Aufbruchs in neue Welten stiegen blaue Ballons in den Himmel vor der Zentrale der Deutschen Bank, die Sonne spiegelte sich strahlend in den Glasfassaden der Doppeltürme, und auf der Leinwand erschien vor großem Publikum ein übergroßer Konzernchef Rolf-Ernst Breuer im Zweireiher mit Einstecktuch. "Let's go global", hieß das Motto, auf zu neuer Größe. Es floss Bier der US-Marke Miller, amerikanische Pyrotechniker schossen Konfettiraketen in den Himmel. Mit der Übernahme der Investmentbank Bankers Trust im Jahr 1999 gelang der Deutschen Bank der Aufstieg in den Olymp der internationalen Hochfinanz.

Ein Ungetüm war entstanden: die größte Bank der Welt, Geschäfte in 68 Ländern, die Hälfte der Beschäftigten außerhalb Deutschlands. Skeptische Vorstände wurden ersetzt durch Manager, die nach Größe strebten in der glänzenden Welt des Investmentbankings, die Führung von Bankers Trust erhielt Millionen zum Abschied. Das traditionelle Geschäft in den deutschen Filialen und mit den einheimischen Unternehmen, einst der Ursprung der Bank, galt als überholt, eine Sache für Sparkassen und Zweitliga-Banken. "Es wird eine neue Deutsche Bank geben", versprach Breuer und sollte recht behalten. Die Deutschland AG zerfiel, die Bank und ihr Heimatmarkt wurden Fremde.

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Das Geldinstitut will mit der Auffangbank einem Bericht zufolge seinen Konzernumbau beschleunigen - und plant demnach weitere Schritte.

Zwanzig Jahre nach der Party vor den Türmen an der Frankfurter Taunusanlage sind die Träume von damals ausgeträumt. Milliardenstrafen haben die Gewinne aus Zeiten vor der Finanzkrise aufgezehrt, oftmals illoyale und mit Bonuszahlungen verwöhnte Investmentbanker haben die Bank geplündert, das größte deutsche Geldhaus steht auf Sinnsuche im Schatten der übermächtigen Konkurrenz. Ungezählte Strategiewechsel und -anpassungen in den vergangenen zehn Jahren haben nicht gegriffen, mit Christian Sewing regiert der vierte Konzernchef seit der Großen Rezession.

Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr - und das seit Jahren schon

"Die Investmentbanker haben die Macht übernommen", hieß es Ende der Neunzigerjahre. Jetzt macht sich Sewing daran, sie ihnen zu entreißen. Weil es kaum noch anders geht, so viel die Sparte auch noch zum Konzernertrag beisteuert.

Am kommenden Sonntag tagt der Aufsichtsrat der Bank, und in den vergangenen Tagen vervollständigte sich mit jedem Tag und immer neuen Details in der Presse das Bild, das die Deutsche Bank in Zukunft abgeben soll. Sie wird Investmentbank bleiben, aber nur in ausgewählten Bereichen. Über mehrere Jahre hinweg baut das Institut informierten Kreisen zufolge zwischen 15 000 und 20 000 Stellen ab, insbesondere im Ausland und wiederum vor allem im Handelsgeschäft. Welche Bereiche wie stark betroffen sein werden, ist noch offen. Sollte sich Sewing durchsetzen, schrumpft die Belegschaft der Bank um bis zu ein Fünftel - auf ein Niveau, das so niedrig wäre wie seit 1991 nicht mehr. Damals lag der erste große Schritt hin zu internationalem Format als Investmentbank gerade zwei Jahre zurück: Die 1989 übernommene Bank Morgan Grenfell aus London hatte den Weg geebnet.