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Deutsche Bank:Neuer Investor treibt Aktie

Christian Sewing will die Deutsche Bank radikal umbauen und dabei auch etwa 18 000 Jobs streichen.

(Foto: Daniel Roland/AFP)

Eine US-Investmentfirma gehört nun zu den sechs größten Anteilseignern.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bekommt bei seinem kostspieligen Konzernumbau Rückendeckung durch einen neuen Großinvestor. Die US-Investmentgesellschaft Capital Group aus Los Angeles hält 3,1 Prozent an dem Institut und ist damit einer der sechs größten Investoren. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervor. Unter anderem sind die Scheichs aus Katar über zwei Fondsvehikel mit insgesamt rund acht Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Zudem halten der Finanzinvestor Cerberus und die US-Investmentfirma Blackrock größere Aktienpakete.

Capital Group verwaltet nach eigenen Angaben ein Vermögen von fast zwei Billionen Dollar. Die Investmentgesellschaft sei früher bereits an der Deutschen Bank beteiligt gewesen, habe dann aber Anteile verkauft und sich gegen Ende des vergangenen Jahres für den Wiedereinstieg entschieden, sagt ein Insider.

An der Börse kam die Nachricht vom neuen Investor aus den USA gut an. Die Aktien der Deutschen Bank kletterten um knapp 13 Prozent auf 9,33 Euro und waren mit Abstand größter Dax-Gewinner. Seit Anfang des Jahres gewannen die Titel 30 Prozent an Wert, nachdem sie im Sommer 2019 noch auf ein Rekordtief von 5,78 Euro eingebrochen waren. Im Vergleich zu früheren Jahren sieht der Aktienkurs aber noch immer schlecht aus. Vor der Finanzkrise 2008 notierten die Papiere einst bei deutlich mehr als 100 Euro.

Die Deutsche Bank begrüßte den neuen Großaktionär. "Wir freuen uns über alle Aktionäre, besonders über solche, die eine Erfahrung und Glaubwürdigkeit wie Capital mitbringen", sagte ein Sprecher. Capital Group wollte sich nicht äußern.

Bank-Chef Sewing hatte in den vergangenen Wochen kräftig die Werbetrommel gerührt für den gut sieben Milliarden Euro teuren Umbau, den er seinem Institut verordnet hat. Das Geldhaus soll sich stärker auf Firmen- und Privatkunden fokussieren und weniger im schwankungsanfälligen Investmentbanking machen, das immer wieder für hohe Verluste gesorgt hat. Der steigende Aktienkurs hilft der Bank derzeit vor allem intern: Viele Mitarbeiter erhalten einen Teil ihres Gehalts in Aktien. Für sie dürften die jüngsten Kursgewinne ein wichtiger Motivationsschub sein. Weltweit streicht das Institut in den kommenden Jahren 18 000 Jobs. Der Anleihehandel wird zurecht gestutzt, der Aktienhandel komplett dicht gemacht. Im vergangenen Jahr führte der Umbau bereits zu einem Verlut von 5,7 Milliarden Euro. Für die Deutsche Bank war es bereits der fünfte Jahresverlust in Serie. Seit 2015 verlor das größte deutsche Geldinstitut insgesamt 15 Milliarden Euro. Von 2010 bis 2014 hatte es zusammen gerechnet noch neun Milliarden Euro Gewinn erzielt. Daran ist derzeit kaum zu denken.

© SZ vom 07.02.2020 / Reuters/SZ
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