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Deutsche Bank:Nachschlag in eigener Sache

Deutsche Bank in Frankfurt

Bei der Deutschen Bank hat die Bezahlung der Mitarbeiter stets Vorrang vor der Dividende für die Aktionäre.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Die Deutsche Bank wollte deutlich höhere Boni zahlen. Doch die EZB bremste sie aus.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Wenn eines bei der Deutschen Bank all die Jahre Priorität hatte, dann war es stets die üppige Bezahlung der eigenen Mitarbeiter - allen voran jene der Investmentbanker, weitgehend unberührt davon, wie viel das Institut verdient hat. Auch 2020 hat sich daran offenbar nicht viel geändert: Wegen des angeblich florierenden Investmentbankings wollte der Konzernvorstand Insidern zufolge für das vergangene Jahr zeitweise sogar mehr als zwei Milliarden Euro Boni an die Mitarbeiter auszahlen, was nicht nur mehr als 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr gewesen wäre, sondern sich auch noch auf weniger Mitarbeiter verteilt hätte.

Auf Drängen der Bankenaufseher der europäischen Zentralbank (EZB), die in der Corona-Krise zu "extremer Zurückhaltung" bei den Boni aufgerufen hatte, muss die Bank nun jedoch gewisse Abstriche machen und den Bonuspool etwas verringern. Wie groß der Abschlag ausfallen wird, steht noch nicht fest. Die Deutsche Bank und die EZB wollten sich jedenfalls nicht äußern. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuerst darüber berichtet.

"Wir sind uns selbstverständlich der Empfehlung der EZB sehr bewusst, wonach wir bei der variablen Vergütung maßhalten sollen", hatte Deutsche-Bank-Finanzvorstand James von Moltke Anfang Februar gesagt. "Wir müssen das abwägen dagegen, dass wir ein starkes Jahr hatten und unsere Leute für diese Leistung wettbewerbsfähig bezahlen müssen." Speziell im Anleihehandel waren die Erträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.

Unter dem Strich sah es längst nicht so blendend aus: Abzüglich der Zinszahlungen für bestimmte Kapitalinstrumente blieb dem Konzern 2020 gerade einmal ein Überschuss von 113 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalrendite von 0,2 Prozent entspricht. Das Investmentbanking war zudem auch nur deshalb halbwegs profitabel, weil die Zentralbanken die Märkte in der Corona-Krise mit Liquidität geflutet hatten. Außerdem hat die Bank seit 2019 Verluste aus dem Handelsgeschäft in eine internen Bad Bank verschoben.

Dass das Geldhaus 2020 überhaupt einen Mini-Gewinn ausweisen konnte, war auch aus einem anderen Grund wichtig für die Mitarbeiter: 2017 hatte der frühere Vorstandschef John Cryan eine Art Treue-Bonus für die 5522 "wertvollsten" Mitarbeiter ausgelobt - rund 1,1 Milliarden Euro, die aber erst 2021 ausgezahlt werden sollten. Die Auszahlung der Hälfte dieses Bonus war indes daran gekoppelt, ob der Aktienkurs in den ersten Wochen 2021 auf über 23 Euro gestiegen wäre, wovon er mit rund 9,50 Euro weit entfernt ist. Die andere Hälfte des Bonus sollte ausgezahlt werden, wenn die Deutsche Bank 2020 einen Gewinn ausweist. Das hat sie geschafft, wenn auch nur ganz knapp.

© SZ vom 20.02.2021
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