bedeckt München 29°

Deutsche Bank:Milliardenklage in Malaysia

Deutsche Bank Flaggen

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank Ende Mai wird es dieses Jahr wohl ruhiger zugehen. Gleichwohl werden die Aktionäre noch viele Fragen haben.

(Foto: Ralph Orlowski/Getty Images)

Ein Staatsfonds will sich bei Deutscher Bank und JP Morgan Geld zurückholen.

Der milliardenschwere Betrugs- und Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1Malaysia Development Bhd. (1MDB) hat womöglich Folgen für mehrere Banken. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf informierte Kreise berichtet, versucht sich 1MDB, mehr als 23 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) wiederzubeschaffen und verklagt dazu unter anderem die US-Großbank JP Morgan und die Deutsche Bank. Wie das Finanzministerium Malaysias am Montag mitteilte, hat 1MDB in Kuala Lumpur sechs Klagen gegen insgesamt neun Firmen angestrengt, darunter zwei ausländische Finanzinstitute. Verklagt wurden auch 25 Einzelpersonen. Die Deutsche Bank wird den Gerichtsunterlagen zufolge auf Schadenersatz in Höhe von rund 1,11 Milliarden Dollar verklagt. Von einer Schweizer Tochter von JPMorgan fordert der Staatsfonds 800 Millionen Dollar.

Die Vorwürfe lauten auf Betrug und Verschwörung gegen den Fonds. Auch die Staatsfonds-Tochter SRC International hat Klagen eingereicht. Aus dem Staatsfonds 1MDB, mit dem eigentlich die malaysische Wirtschaft angekurbelt werden sollte, haben nach Erkenntnissen von malaysischen und US-Behörden hochrangige Fonds-Mitarbeiter und ihre Partner zwischen 2009 und 2014 mindestens 4,5 Milliarden Dollar veruntreut. Mit den Geldern sollen Regierungsbeamte bestochen, schwarze Kassen des ehemaligen Ministerpräsidenten Najib Razak finanziert und Schmuck, Gemälde und Immobilien für Hunderte Millionen Dollar gekauft worden sein. Allen voran die US-Investmentbank Goldman Sachs hat im vergangenen Jahr seine Rolle in dem Bestechungsfall eingestanden, dem größten derartigen ausländischen Fall, den US-Behörden jemals untersucht haben. Das Geldhaus soll Warnsignale für Korruption und Geldwäsche übersehen haben und musste dafür hohe Vergleichs-, Straf- und Entschädigungssummen zahlen. Die Bemühungen der Regierung konzentrierten sich nun auf die Verfolgung anderer Delinquenten, die 1MDB beziehungsweise SRC in Ausübung ihrer Pflichten geschädigt haben, sei es direkt oder indirekt, erklärte Malaysias Finanzminister Tengku Zafrul Abdul Aziz. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, man habe die Klageschrift noch nicht erhalten und sehe außerdem keine Basis für irgendwelche Ansprüche. Gleichwohl drehte die Aktie der Deutschen Bank nach Bekanntwerden der Klage ins Minus und notierte 0,6 Prozent schwächer bei 11,46 Euro. Nach unerwartet starken Quartalszahlen Ende April waren die Titel der größten deutschen Bank zuletzt deutlich gestiegen. Die Frankfurter gehören wahrscheinlich nicht zu den wichtigsten möglichen Delinquenten in diesem Fall, sollen aber zum Beispiel 2015 als Korrespondenzbank Einnahmen aus Korruption weitergeleitet haben, was freilich nicht erlaubt ist.

© SZ vom 11.05.2021 / SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB