Deutsche Bank:Kontoeröffnung: 150 Euro

Deutsche Bank mit 2,15 Milliarden Verlust

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Der Konzern wehrt sich gegen den Eindruck, Gebühren besonders kräftig zu erhöhen.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Studenten aus Nicht-EU-Ländern müssen nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Deutsche Bank macht ihnen ein teures Spezialangebot.

Von Heinz-Roger Dohms, Hamburg

Geht es darum, die Gebühren zu steigern, kennt die Kreativität deutscher Banken keine Grenzen. Sie erfinden "Exklusiv-Konten" für monatlich 14,90 Euro (die HVB hat das jüngst getan). Sie verlangen 2,56 Euro für eine Überweisung in der Filiale (Volksbank Frankfurt). Und sie berechnen dem Kunden selbst dann drei Euro, wenn der lediglich das SB-Terminal in der Schalterhalle nutzt (Ostsee-Sparkasse). Die Deutsche Bank freilich wäre nicht die Deutsche Bank, gäbe sie sich mit solchen Peanuts zufrieden. Stattdessen bietet sie neuerdings ein Konto an, dessen bloße Eröffnung den Kunden ungefähr so viel kostet wie, sagen wir, ein gutes Gebrauchtrad - nämlich 150 Euro.

Nun muss man hinzufügen, dass es sich nicht um irgendein Konto handelt, nicht einmal um ein "Exklusiv-Konto". Bei dem Spezialangebot, das die Deutsche Bank als einzige größere Bank anbietet, geht es um ein sogenanntes Sperrkonto, das sich ausschließlich an Nicht-EU-Ausländer wendet, die an einer deutschen Hochschule studieren wollen. Hintergrund: Der Staat will sicherstellen, dass sich die Studienbewerber den Lebensunterhalt hierzulande leisten können - und das Sperrkonto ist eine Möglichkeit, diesen Nachweis zu erbringen. Die jungen Leute müssen einmalig 8040 Euro einzahlen, dürfen monatlich aber maximal 670 Euro abheben. Der Rest dient sozusagen als Sicherheit.

Die Verwaltung des Kontos sei mit "manuellen Prüfungen und Kontrollen" verbunden, heißt es

Die Deutsche Bank argumentiert nun - durchaus nachvollziehbar -, dass die Sperrkonten deutlich mehr Aufwand verursachen als etwa normale Girokonten. So sei die Führung des Kontos mit einer Reihe von "manuellen Prüfungen und Kontrollen" verbunden. Hinzu kommt: Beim Girokonto kann die Bank die Fixkosten auf Millionen Kunden umlegen. Das Sperrkonto hingegen nutzen naturgemäß weit weniger Menschen. Was allerdings nicht einleuchten will: Kürzlich kostete das Sperrkonto bei der Bank noch 50 Euro - und jetzt plötzlich das Dreifache. Kann es wirklich sein, dass der Aufwand für die Kontoführung zuletzt "deutlich gestiegen" ist? So stellt es die Deutsche Bank dar, ohne das Ganze jedoch näher zu erläutern.

Plausibler scheint es, dass sich der Fall, auch wenn er besonders krass ist, schlicht in die Gebührenerhöhungen deutscher Geldinstitute in den vergangenen Monaten einreiht. Wo immer die Banken rund ums Konto etwas herausschlagen können, versuchen sie es. Denn die Zeiten, in denen die Institute mit dem Geld ihrer Kunde bequem Erträge erzielten konnten, sind lange vorbei. Stecken sie die Spareinlagen in zehnjährige Bundesanleihen, ist die Verzinsung gleich null. Und parken sie das Geld bei der EZB, dann müssen sie sogar einen Strafzins von minus 0,4 Prozent berappen. Was den Banken bleibt, ist die Aussicht, an den Konteninhabern irgendwann mal an anderer Stelle zu verdienen, etwa mit einer Baufinanzierung. Doch wie konkret ist diese Perspektive bei einem ausländischen Studenten? Geht der nach dem Studienaufenthalt zurück in sein Heimatland, dürfte meist auch die Geschäftsbeziehung enden.

Von Abzocke will man bei der Deutschen Bank aber nichts wissen. Zumal der Kreis der Betroffenen klein sei, ohne Zahlen zu nennen. Vor allem aber wehrt sich der Marktführer gegen den möglichen Eindruck, er würde zu den Banken zählen, die besonders kräftig Gebühren erhöhen. In der Tat: Die Frankfurter haben die Grundgebühr für ihre Girokonten seit Jahren nicht angehoben. Die Deutsche Bank gehörte aber auch nie zu den Geldhäusern, die mit kostenloser Kontoführung oder dreistelligen "Willkommensprämien" um Kunden warben. Amerikaner oder Chinesen, die in Deutschland studieren wollen, müssen die Willkommensprämie nun sozusagen selbst mitbringen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB