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Deutsche Bank:US-Gericht macht Weg frei für Sammelklage

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Aktionäre der Deutschen Bank dürfen das Institut verklagen, weil es aus ihrer Sicht reiche Kunden nicht ausreichend kontrolliert habe - und das dem Aktienkurs schadete.

Die Deutsche Bank muss sich in den USA auf Aktionärsklagen im Zusammenhang mit ihren internen Geldwäsche-Kontrollen einstellen. Ein Bezirksrichter in Manhattan entschied am Montagabend, Aktionäre dürften in einer geplanten Sammelklage den Vorwurf erheben, dass die Bank reiche Kunden wie den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und russische Oligarchen unzureichend kontrolliert habe und der Aktienkurs später deswegen gefallen sei. Die Klagen könnten sich gegen die Bank, ihren Vorstandschef Christian Sewing und dessen Amtsvorgänger John Cryan richten, nicht aber gegen den Finanzchef der Bank. Die Bank wollte sich zu der Entscheidung nicht äußern.

Seit seinem Amtsantritt 2018 hat Deutsche-Bank-Chef Sewing damit zu tun, nach einer Reihe von Skandalen das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen. Im Fall Epstein hatte die Bank vor zwei Jahren eine Strafe der New Yorker Finanzaufsicht von 150 Millionen Dollar akzeptiert. Es sei ein schwerer Fehler gewesen, den wegen Sexualstraftaten verurteilten ehemaligen Hedgefonds-Manager überhaupt als Kunden aufzunehmen, hatte Sewing damals erklärt: "Dazu hätte es nie kommen dürfen." Die Aktien der Bank gaben am Dienstag im Zuge der allgemeinen Börsenschwäche um 0,4 Prozent nach unter notierten bei 9,20 Euro. Die Titel sind damit deutlich weniger wert als im April 2018 als Sewing den Chefposten übernommen hatte. Damals war eine Aktie des größten deutschen Geldhauses für rund 11,80 Euro zu haben.

Die US-Aufseher hatten seinerzeit untersucht, warum die Bank in den USA von 2013 an sechs Jahre lang die Hausbank von Jeffrey Epstein gewesen war. Der Hedgefonds-Manager war 2019 wegen Verdachts auf Sexhandel verhaftet worden, bereits mehr als ein Jahrzehnt, nachdem er sich vor einem Gericht in Florida wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen für schuldig bekannt hatte. 2019 hatte ihm die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft vorgeworfen, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht und zwischen 2002 und 2005 einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. Sein Tod im Gefängnis im August 2019 wurde als Selbstmord eingestuft. Die Deutsche Bank hatte sich erst von ihm getrennt, nachdem 2018 durch einen Artikel der Tageszeitung Miami Herald viele Details zu Epstein herausgekommen waren.

Kreditinstitute sind verpflichtet, regelmäßig zu prüfen, ob das Geld ihrer Kunden aus illegalen Geschäften stammt. Einen zweifelhaften Kunden wie Epstein hätte die Bank nicht annehmen, schon gar nicht jahrelang betreuen dürfen, schrieben seinerzeit die Behörden. In der Strafbegründung führen die Bankenaufseher auf - allerdings ohne Namen zu nennen - welche Spitzenmanager involviert waren, als Epstein als Kunde angenommen wurde.

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