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Finanzindustrie:Software-Panne bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank am Roßmarkt im Bankenviertel in Frankfurt

Die Deutsche Bank hinter dem Gutenberg-Denkmal am Roßmarkt im Frankfurter Bankenviertel. Das Geldhaus findet aus der Krise nicht heraus.

(Foto: imago/Ralph Peters)
  • Die Deutsche Bank hat eine IT-Panne bei einer Software entdeckt, mit der eigentlich Zahlungen von Großkunden überwacht werden sollten.
  • Insidern zufolge waren bei diesem Programm jahrelang Parameter falsch programmiert.
  • Die Deutsche Bank hat das Problem der Finanzaufsicht Bafin sowie der US-Notenbank Fed gemeldet. Man arbeite daran, "den Fehler schnellstmöglich zu beheben".

Die Deutsche Bank hat aufgrund eines Software-Fehlers offenbar seit vielen Jahren Probleme damit, Zahlungen von Großkunden vorschriftsgemäß zu überprüfen. Kurz vor ihrer Hauptversammlung an diesem Donnerstag hat die Bank nach Informationen der Süddeutschen Zeitung eine IT-Panne entdeckt - und zwar bei einem Programm, mit dem das Geldhaus den Zahlungsverkehr von Großkunden überwacht.

Finanzkreisen zufolge waren bei diesem Programm jahrelang Parameter falsch programmiert, sodass die zweite Überprüfung der Zahlungen nicht vollständig war. Die Deutsche Bank hat das Problem der deutschen Finanzaufsicht Bafin sowie der US-Notenbank Fed gemeldet. Ein Sprecher der Bank erklärte, man arbeite daran, "den Fehler schnellstmöglich zu beheben" und befinde sich "im engen Austausch mit den Regulatoren dazu". Die Bank habe mehrere IT-Anwendungen, um den Zahlungsverkehr hinsichtlich verschiedener Risiken zu überwachen. Bei einer dieser Anwendungen seien zwei von 121 Parametern nicht korrekt definiert gewesen. Um welche Parameter es sich genau handelt, wollte der Sprecher nicht sagen.

Die Bank kann sich keine Lücken bei der Überwachung von Zahlungen leisten

Dem Vernehmen nach könne zumindest nicht komplett ausgeschlossen werden, dass dadurch auch illegale Zahlungen durchgelaufen seien. Banken sind gehalten, ihre Kunden und die Herkunft der Gelder, die sie einzahlen oder überweisen, genau zu prüfen. Dadurch soll verhindert werden, dass Zahlungen an Länder weitergeleitet werden, die auf Sanktionslisten stehen. Allen voran die US-Behörden bestrafen Sanktionsverstöße hart. Auch Geldwäsche oder die Finanzierung von Terrorgruppen sollen so aufgedeckt werden. Das Risiko, dass solche Zahlungen wegen der Panne trotzdem durchgelaufen sind, hält man in der Bank Insidern zufolge aber für gering.

Die Panne ist gleichwohl heikel, weil sich das Geldhaus eigentlich keinerlei Lücken bei der Überwachung von Zahlungen mehr leisten kann - noch dazu lief das Ganze offenbar über viele Jahre. Die Deutsche Bank hatte schon vorher viel Ärger mit den Regulierungsbehörden, weil ihre Kontrollsysteme im Kampf gegen Geldwäsche nicht gut genug funktionieren. Auch die veraltete EDV gilt als Problem. Die Finanzaufsicht Bafin sah sich im vorigen Herbst gezwungen, dem Institut einen Sonderbeauftragten ins Haus zu schicken, der helfen soll, die IT-Systeme zu verbessern. In den vergangenen Monaten kam noch der Geldwäscheskandal bei der Danske-Bank hinzu, als deren Partner die Deutsche Bank jahrelang verdächtigte Transaktionen weitergeleitet hat. Es geht um Zahlungen von rund 200 Milliarden Euro. Die New York Times hatte in dieser Woche zudem berichtet, Führungskräfte in den USA hätten verhindert, dass Mitarbeiter verdächtige Zahlungen der Trump-Familie an die Aufsicht melden. Die Bank weist das zurück.

Auf der Hauptversammlung am Donnerstag wird die Bankführung ohnehin harsche Kritik zu hören bekommen, es könnte sich dann auch die Zukunft von Aufsichtsratschef Paul Achleitner entscheiden. So genannte Stimmrechtsberater, welche großen Einfluss auf Investoren haben, empfehlen den Anteilseignern zum ersten Mal, der Bankführung die Entlastung zu verweigern - ähnlich wie es vor kurzem auf der Hauptversammlung des Chemiekonzerns Bayer oder der Schweizer Großbank UBS geschehen ist. Insider bestätigten einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach die einflussreichen Großaktionäre aus Katar, China und den USA darüber sprechen, Achleitner zu bewegen, sein Amt bereits vor Ablauf seines Vertrages 2022 zur Verfügung zu stellen. Wie sie auf der Hauptversammlung abstimmen werden, ist noch nicht bekannt. Die Fondsgesellschaft Union Investment stärkte Achleitner und Konzernchef Christian Sewing indes den Rücken und kündigte laut Handelsblatt die Entlastung des Managements an.

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