Deutsche-Bank-Investor HNA US-Behörden knöpfen sich aggressiven Investor aus China vor

Das Logo der mysteriösen Firma aus China.

(Foto: REUTERS)
  • Der Konzern HNA ist an vielen Firmen in Europa und den USA beteiligt - unter anderem an der Deutschen Bank.
  • Wer die Geldgeber sind, ist unklar.
  • HNA soll endlich auspacken, fordert die amerikanische Regierung. Bis dahin bleiben Übernahmen in den USA untersagt.
Von Christoph Giesen, Peking, und Meike Schreiber, Frankfurt

Es ist eine Meldung ohne Quelle: Ein "Insider", so schreibt die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, habe erklärt, dass die amerikanische Regierung dem chinesischen Mischkonzern HNA die Genehmigungen für künftige Übernahmen in den USA untersagen will. Auch der Kauf des US-Hedgefonds Skybridge Capital und die Beteiligung am Schweizer Rohstoffhändler Glencore, die derzeit beide vom amerikanischen Ausschuss für Auslandsinvestitionen, kurz CFIUS, geprüft werden, seien in Gefahr, heißt es. Der Bann gelte so lang, bis HNA endlich seine Aktionärsstruktur transparent erkläre. Sollte sich diese Meldung tatsächlich bewahrheiten, sie wäre eine Bombe: Amerika-Verbot und ein völliger Übernahmestopp für jene Firma, die wie keine andere auf der Welt in den vergangenen zwei Jahren eingekauft hat? Und wie reagiert HNA? Der Konzern wiegelt ab: "Wir respektieren die Vertraulichkeit des CFIUS-Prozesses und kommentieren diesen Bericht daher nicht."

Etwa 50 Milliarden Dollar hat HNA zuletzt im Ausland investiert. Der Regionalflughafen Hahn im Hunsrück gehört dazu, genauso wie eine Beteiligung an den Hilton-Hotels: 6,5 Milliarden Dollar für 25 Prozent. 2016 übernahm das Unternehmen den US-IT-Großhändler Ingram Micro. Kostenpunkt: sechs Milliarden Dollar. Seit fast einem Jahr ist HNA auch Großaktionär bei der Deutschen Bank. Mit jedem Deal, mit jeder Übernahme kommt immer wieder und immer lauter die Frage auf, wer steckt wirklich hinter diesem Konzern? Wem gehört dieses nimmersatte Unternehmen?

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Eine einfache Antwort gibt es nicht. Dafür jede Menge Gerüchte. Seit dem Frühjahr meldet sich ein chinesischer Milliardär aus dem Exil in New York zu Wort. Miles Kwok nennt er sich, auf Chinesisch heißt er Guo Wengui. Kwok behauptet, HNA werde von Wang Qishan, einem der mächtigsten Männer Chinas gesteuert. Wang war bis vor Kurzem der oberste Korruptionsjäger des Landes und ein enger Vertrauter von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Für Kwoks Behauptungen gibt es keine konkreten Belege. HNA hat ihn deshalb in New York wegen Verleumdung verklagt. Auffällig ist dennoch, wie im Hintergrund munter Anteile verschoben werden - und das bei einem Konzern, der ähnlich viel umsetzt wie BMW oder Siemens.

Als HNA etwa im Frühjahr 2016 ein Angebot für den Schweizer Flugcaterer Gategroup abgab, hielt eine Stiftung in China 22,75 Prozent der Anteile. 29,75 Prozent waren im Besitz zweier Männer: Bharat Bhisé, ein amerikanischer Staatsbürger, und Guan Jun, ein Chinese. Die restlichen 47,5 Prozent waren dem Angebotsprospekt zufolge im Besitz der Mitarbeiter des Unternehmens, wobei angeblich keiner der Angestellten mehr als drei Prozent der Anteile hielt. Inzwischen soll alles ganz anders sein. HNA-Gründer Chen Feng gehören jetzt 14,98 Prozent der Aktien, genauso wie Wang Jian, einem Kompagnon der ersten Stunde. Großaktionär Guan Jun konnte zwischenzeitlich sogar aufstocken, 29,5 Prozent hielt er allein.

Der Vorwurf: Intransparenz

Im vergangenen Sommer dann die Kehrtwende: Der geheimnisvolle Guan Jun, teilte der Konzern plötzlich mit, habe sich von seinen Anteilen wieder getrennt. Überschrieben wurden die Aktien an eine Stiftung in New York. Das soll nun die aktuelleste Struktur sein.

Da aber all diese Wendungen erst peu à peu publik wurden, rügte die Schweizer Übernahmekommission HNA Ende November. Die erforderlichen Angaben beim Kauf der Gategroup seien "unwahr bzw. unvollständig", gewesen, urteilte die Schweizer Behörde. Im Dezember untersagten die Aufseher in Neuseeland den Kauf einer Tochter der Großbank Australia and New Zealand Banking Group. Auch hier der Hauptvorwurf - Intransparenz.

Europäische Zentralbank muss nun handeln

Vor sechs Wochen dann reichte in New York die Firma Ness Technologies eine Klage gegen die HNA-Tochter Pactera Technology International ein. Schadenersatzforderung: 65 Millionen Dollar. HNA hatte für 325 Millionen Dollar eine Ness-Tochter gekauft. Laut Anklageschrift habe HNA seine Eigentümerstruktur verschleiert und die amerikanischen Behörden mehrfach getäuscht. Das Geschäft scheiterte.

In jedem Fall erhöht die Meldung von Freitag aus den USA nun den Druck auch auf die europäischen Aufseher, sich näher mit HNA zu beschäftigen. Dem Vernehmen nach will die Europäische Zentralbank (EZB) nach monatelangem Überlegen ohnehin in den kommenden Wochen entscheiden, ob sie HNA als Aktionär der Deutschen Bank durchleuchtet und prüft, wer genau die HNA-Anteilseigner sind und woher das Geld für den Kauf stammt. Eigentlich sieht das deutsche Kreditwesengesetz eine solche Untersuchung erst vor, wenn ein Aktionär mehr als zehn Prozent an einer Bank hält und damit tatsächlich beeinflussen kann, welche Geschäfte das Geldhaus macht. HNA hält seit dem Frühjahr 9,9 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Die EZB könnte aber zum ersten Mal eine Ausnahmeregelung nutzen, die ein Verfahren auch bei einem Anteil von unter zehn Prozent zulässt. Nun muss HNA wohl liefern.

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