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Deutsche Bank:Interesse an Wirecard Bank

Deutsche Bank könnte Teil des Skandalkonzerns übernehmen.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Anfang der Woche sah es noch so aus, als würde die Bank von Wirecard ebenfalls in die Insolvenz rutschen, weil inzwischen zu viel Kundengeld abgeflossen ist - nun zeichnet sich ab, dass ausgerechnet die Deutsche Bank die Tochter komplett oder in Teilen übernehmen könnte. Das Geldhaus prüfe in Abstimmung mit der Bafin, dem Insolvenzverwalter der Wirecard AG und dem Vorstand der Wirecard Bank mögliche finanzielle Hilfen, sagte ein Sprecher. Weitere Details wollte er nicht nennen. Die Diskussionen dazu laufen noch.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte bei der Wirecard Bank die Bundesbank als Sonderbeauftragten eingesetzt, der dafür sorgen soll, dass keine Gelder an die Wirecard AG abfließen und die Geschäfte weiterhin laufen. Die Wirecard Bank hat eine Vollbanklizenz und darf sämtliche Finanzdienstleistungen anbieten. Sie wirbt seit Anfang des Jahres mit einem Zins von 0,75 Prozent für Giro-Guthaben auf der Banking-App "Boon Planet", während andere Institute selbst für Festgeld kaum Zinsen zahlen oder sogar Strafgebühren verlangen. Wäre die Bank in die Insolvenz gegangen, hätte der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken Kunden entschädigt, die ihr Geld nicht rechtzeitig abgezogen haben.

Bilanziell ist die Wirecard Bank kein Schwergewicht. Per Ende März verfügte sie nach SZ-Informationen über eine Bilanzsumme von 1,6 Milliarden Euro, was ungefähr einer mittelgroßen Sparkasse entspricht. Ihr bilanzielles Eigenkapital belief sich zum Quartalsende auf 205 Millionen Euro. Unter dem Strich stand zum Quartalsende ein Überschuss von 4,7 Millionen Euro, nach 40,8 Millionen zum Vorjahresquartal.

Welche Motive die Deutsche Bank antreiben, ist noch unklar. "Wir sind eine der größten Banken im Zahlungsverkehr weltweit. Das ist eine unserer Stärken, ein echtes Kerngeschäftsfeld", sagte Deutsche-Bank-Vorstand Fabrizio Campelli dem Handelsblatt in einem am Freitag veröffentlichten Interview. "Wenn sich hier also Gelegenheiten ergeben, uns zu verstärken, werden wir uns diese ansehen."

Möglicherweise hat die Deutsche Bank es auf die Firmenkunden der Wirecard Bank im Zahlungsverkehr abgesehen, von denen sich allerdings bereits die ersten abgewendet haben. Seit Anfang Juli wickelt zum Beispiel der Discounter Aldi Süd Kreditkartenzahlungen nicht mehr über den insolventen Zahlungsdienstleister ab, sondern über den Anbieter Payone, wie das Unternehmen am Donnerstag erklärte. Die Zusammenarbeit mit der Wirecard Bank beschränke sich seitdem auf das Geschäft mit der Aldi Geschenkkarte. Für die Kunden habe das aber keine Folgen.

Ohnehin sind die Verbindungen zwischen Wirecard und der Deutschen Bank vielschichtig. Im vergangenen Jahr war es auf Initiative des Wirecard-Konzerns sogar zu informellen Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank gekommen, die diese jedoch schnell abbrach. Darüber hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtet. Zudem hatte die Bank an Firmengründer Markus Braun zeitweise einen mit Wirecard-Aktien besicherten Privatkredit in Höhe von 150 Millionen Euro vergeben, den die Bank im März gerade noch rechtzeitig zurückforderte.

Zudem war einer der Wirtschaftsprüfer, welcher von 2015 für 2017 bei EY für die Prüfung der Wirecard-Bilanz zuständig war, im Jahr 2018 als Chef-Buchhalter zur Deutschen Bank gewechselt. Nicht zuletzt waren die Deutsche-Bank-Tochter DWS mit Publikumsfonds noch bis wenige Wochen vor der Pleite überdurchschnittlich in Wirecard-Aktien investiert.

© SZ vom 04.07.2020

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