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Deutsche Bank:Heikle Kundschaft in Mexiko

Die Deutsche Bank trennt sich von einem weiteren Teil ihres Treuhandgeschäfts. Die Briefkastenfirmen waren zwar legal - wurden den Fankfurtern aber offenbar zu heiß, auch weil die Aufsicht Druck machte.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die Geschäfte entsprachen zuletzt nicht mehr dem eigenen "Risikoappetit". So heißt es bei der Deutschen Bank intern, wenn die Dinge zu heiß werden. Gemeint war das sogenannte Treuhandgeschäft in Mexiko. Dort bietet das Geldhaus vermögenden Kunden oder Unternehmen Briefkastenfirmen an, etwa um Immobilien in Mexiko zu kaufen. Das ist prinzipiell nicht verboten, allerdings können Kunden solche Vehikel auch für Geldwäsche missbrauchen. Die Deutsche Bank wollte dieses Geschäft daher loswerden, und auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat dem Vernehmen nach darauf gedrängt. Der Grund: Das Geldhaus hatte bei einigen der rund 1000 Treuhandgesellschaften Probleme, die Kundendaten wie vorgeschrieben zu aktualisieren. Das macht sie anfällig für krumme Geschäfte ihrer Kunden.

Nun aber hat es das Institut im zweiten Anlauf wohl geschafft, den Geschäftsbereich zu verkaufen. Ein erster Versuch war Ende 2019 aus unbekannten Gründen gescheitert. "Der Verkauf an einen neuen Erwerber, einer der führenden Treuhanddienstleister in Mexiko, konnte im Dezember 2019 vertraglich abgeschlossen werden", teilt die Bank mit. Die regulatorischen Voraussetzungen seien noch nicht abgeschlossen. Man sei aber auf einem guten Weg, dies für den Abschluss sicherzustellen. Kunden in Mexiko würden künftig - wenn nötig - von anderen Standorten aus betreut. Ihre Präsenz im Land hält die Deutsche Bank ohnehin aufrecht. Zu Kaufpreis und Käufer wollte sich ein Konzernsprecher nicht äußern. Aus mexikanischen Presseberichten geht aber hervor, dass es sich bei dem Käufer um die mexikanische Bank Cibanco handelt. Die Transaktion umfasst demnach ein Treuhandvermögen von rund 21 Milliarden Dollar.

Der Verkauf ist dem Vernehmen nach auch Teil eines Aufgabenheftes, das die Bafin der Bank vorgegeben hatte. Die deutsche Finanzaufsicht hatte der Deutschen Bank Ende 2018 einen Sonderbeauftragten zur Geldwäschebekämpfung ins Haus geschickt. Im Auftrag der Bafin überwachen seither Experten von KPMG, welche Fortschritte das Institut macht. Die Bank muss bis 2021 schrittweise 150 000 Kundenakten auf den neuesten Stand bringen, angefangen mit 20 000 Kunden, die unter Geldwäsche-Gesichtspunkten besonders riskant sind. Banken sind dazu verpflichtet, zahlreiche Informationen ihrer Kunden zu dokumentieren. Nur so können sie ansatzweise verhindern, dass ihre Konten für Geldwäsche oder Terrorfinanzierung missbraucht werden.

Spätestens seit Veröffentlichung der Panama Papers 2016 hat die Deutsche Bank beschlossen, sich schrittweise vom Trust-Geschäft zu trennen. Ende März 2018 verkaufte sie zum Beispiel ihre Tochter Global Trust Solutions. Wohlhabenden Kunden bot die Bank damit Zugang zu allerhand Offshore-Dienstleistungen mit Briefkastenfirmen, Scheindirektoren und Stiftungen in Steueroasen wie Mauritius, den Cayman-Inseln oder den Britischen Jungferninseln. Ausgenommen vom Verkauf war das US-Geschäft.

© SZ vom 12.03.2020

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