Deutsche Bank:"Noch lange nicht auf Autopilot"

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Deutsche Bank: Der Neue: Alexander Wynaendts führt künftig den Aufsichtsrat der Deutschen Bank, er folgt Paul Achleitner.

Der Neue: Alexander Wynaendts führt künftig den Aufsichtsrat der Deutschen Bank, er folgt Paul Achleitner.

(Foto: Mario Andreya/dpa)

Kaum da, gab es schon Kritik am neuen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Er habe zu viele Ämter, kritisiert eine Aktionärsvertreterin auf der Hauptversammlung. Sein Vorgänger ließ sich derweil von Weggefährten feiern.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Für einen ersten öffentlichen Auftritt gab es schon bessere Zeiten. Aber weil auch die Deutsche Bank dieses Jahr unter Verweis auf die Pandemie lieber eine digitale Hauptversammlung abhielt, musste Alexander Wynaendts, der neue Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, am Donnerstag auf eine persönliche Vorstellung samt Applaus in der Frankfurter Festhalle verzichten. Dort hielt das größte deutsche Geldhaus vor Corona seine Aktionärstreffen ab. Immerhin aber stellte sich der 61-jährige Niederländer den Anteilseignern in der digitalen Versammlung vor, und zwar in fließendem Deutsch. Er fühle sich als Europäer geehrt, dem Aufsichtsrat beizutreten, sagte Wynaendts. "Die Deutsche Bank hat turbulente Zeiten hinter sich." Aber sie habe in den vergangenen Jahren die Wende geschafft - "dank einer klaren Strategie und starken Managements". Die europäische Wirtschaft brauche einen starken Finanzsektor und international konkurrenzfähige Banken. Nach langer Suche hatte der Aufsichtsrat den Versicherungsmanager im November zur Wahl vorgeschlagen.

Sein Vorgänger Paul Achleitner betonte, in welch schlechter Lage er die Bank 2012 übernommen habe, weswegen der Weg zwar "nicht immer gradlinig" gewesen sei, nun aber sei man ja wieder "in der richtigen Spur". Und natürlich sieht auch Vorstandschef Christian Sewing das Geldhaus "nach Jahren erfolgreicher Transformation auf einem guten Weg, seine Ziele zu erreichen". Im Aktienkurs spiegelt sich diese Zuversicht derzeit indes noch nicht wider, was weniger am Krieg liegt, sondern eher an der zuletzt schwindenden Kostendisziplin des Hauses. Nach zwischenzeitlichen Gewinnen gab der Kurs in den vergangenen Wochen deutlich stärker nach als der anderer großer Banken in Europa. Mit Blick auf Achleitners gesamte Amtszeit ist die Bilanz ohnehin höchst unerfreulich: minus 56 Prozent Gesamtrendite verglichen mit plus 62 Prozent im Stoxx-Banken-Index. Das Ziel, "verlässlich und nachhaltig Wert für die Aktionäre zu schaffen", habe Achleitner in den vergangenen zehn Jahren nicht verwirklichen können, sagte ein Anteilseigner.

Wird es nun aufwärtsgehen, mit einem neuen Aufsichtsratschef? Fondsmanagerin Alexandra Annecke von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment ist skeptisch. Sie kritisiert vor allem Wynaendts "Ämterhäufung", schließlich sitze er gleich in drei weiteren Aufsichtsgremien, das sei zu viel. Aber auch seine mangelnde Erfahrung mit der deutschen Corporate Governance, also den Regeln der guten Unternehmensführung, sei ein Problem. "Die Deutsche Bank verlangt von uns Aktionären einen großen Vertrauensvorschuss", so Annecke. Und das bei einem Institut, das nach den Irrungen und Wirrungen der vergangenen Jahre "noch lange nicht auf Autopilot" laufe. Aktionär Union Investment werde den neuen Aufsichtsratschef daher nicht wählen. Nachsichtiger äußerte sich Andreas Thomae, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Deka: mit Wynaendts beginne für die Deutsche Bank eine neue Ära. "Anders als sein Vorgänger wird er hoffentlich die Bank durch eine etwas ruhigere Phase steuern", sagte Thomae. Die Deka halte ihn für den richtigen Mann an der Aufsichtsratsspitze. Am späten Nachmittag wurde er mit mit 97,84 Prozent des anwesenden Grundkapitals in das Kontrollgremium gewählt.

Überstrahlt wurde Wynaendts Amtseinführung ohnehin von Achleitners Abschiedsshow. Den eher kritischen Medienbeiträgen stellte die Bank einen gefühligen sechsminütigen Film entgegen, bei dem frühere und amtierende Vorstände zu Wort kamen, aber auch Arbeitnehmervertreter oder Aufsichtsratskollegen wie der frühere Eon-Chef Johannes Teyssen. "Humor und Haltung" habe Achleitner bewiesen, "auch wenn die See mal rauer gewesen sei", sagte der Achleitner-Vertraute. Eine Arbeitnehmervertreterin erinnert sich an gemeinsame "Teestunden" in Achleitners Münchener Büro, der frühere Vorstand Marcus Schenck wünschte ihm viel Spaß beim Kochen. Und natürlich versuchte Achleitner den Europa-League-Sieg der Eintracht Frankfurt am Vorabend emotional zu kapern mit einem Bild von sich und Sewing im Frankfurter Stadion. Dass beide FC-Bayern-Fans sind? Macht ja nichts.

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